Zeit für mich. Ein Tag für Angehörige nach Suizid

Bereits zum zweiten Mal fand im Bildungshaus St. Michael in Matrei am Brenner ein Tag für Angehörige und Interessierte nach Suizid statt. Gemeinsam mit dem Haus der Begegnung und den Psychosozialen Zentren Tirol organisierte die Kontaktstelle Trauer ein Tag mit fachliche Impulsen und stärkende Workshops für Interessierte und Betroffene. Obwohl in Österreich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle sterben, wird über das Thema häufig schambesetzt geschwiegen. In dem Moment, in dem ein Mensch sein Leben, oft nach einem sehr langen Leidensweg, durch Suizid beendet, beginnt für viele Hinterbliebene eine aufwühlende und extrem belastete Zeit. Hilflos bleiben sie zurück mit der Frage nach dem WARUM, leiden unter dem Verlassen-Sein und kämpfen immer wieder mit Schuldgefühlen. Die Tabuisierung von Suizid und das damit verbundene Schweigen machen die Last für die Hinterbliebenen noch drückender.

Mit diesem Tag für An- und Zugehörige, Wegbegleiter*innen, Interessierte und professionelle Helfer*innen möchten wir einen Raum öffnen, um über die Themen Suizid, Krisen und Trauer Neues zu erfahren und darüber reden zu können – mit Fachleuten und anderen Betroffenen.

Sonja Gebhart, deren Sohn sich das Leben nahm, las aus ihrem Buch. Zu hören, dass die Betroffenen mit ihrem Schicksal nicht alleine sind, verbindet und tröstet zugleich.

Manuela Eder, ehrenamtliche Hospizbegleiterin bei der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, schaffte mit ihren Klänge, was Worte nicht vermögen.

Nathalie Oexle, Professorin an der Uniklinik in Köln, forscht zum Thema Trauer bei Angehörigen nach Suizid. Ihre Erkenntnisse waren einerseits spannend, informativ und interessant und bewirkten bei den Teilnehmenden ein Gefühl von Entlastung indem sie erfuhren, dass ihr Erleben in der Trauer ganz ’normal‘ ist.

Bei prachtvollem Wetter inmitten der Tiroler Bergwelt konnte so ein Stück Zuversicht Platz bekommen.

Das Leben hinter sich lassen

Wenn ein Mensch an den Folgen
einer körperlichen Krankheit stirbt,
dann sagt man: Er hat tapfer gekämpft.
Er hat sich nicht unterkriegen lassen.
Dieses Durchhaltevermögen ist zu bewundern.
Ähnliches gilt auch für seelisches Leid.
Ein Mensch kann auch seelisch sterben,
obwohl der Körper noch Leben atmet.
Ein jeder Mensch, der sich dazu entschließt,
das Leben hinter sich zu lassen,
hat ebenso tapfer gekämpft,
hat sich genauso wenig unterkriegen lassen,
hat ein Durchhaltevermögen gezeigt,
das es zu bewundern gilt.
© Wolfgang Roth

Jetzt online Spenden & liebevolle Begleitung schenken

Weitere Beiträge dieser Kategorie

Ehrenamt

Mit ehrenamtlichen Tätigkeiten das Hospiz unterstützen.

Zwei Frauen, eine sitzt im Rollstuhl

Kontakt

Leiterin Ehrenamt
Mag. Angelika Heim, MSc
+43 5223 43700 33622
von 08:00 – 15:00 Uhr

Über uns

Die Menschen des Hospiz & den Verein kennenlernen.

Kontakt

Allgemeine Anfragen
+43 5223 43 700 33 600
08:00 – 16:00 Uhr (Mo-Fr)

Akademie

Weitere Kurse ansehen und über Hospizarbeit lernen.

Kontakt

Betreuung & Begleitung

Mehr über die Hospizarbeit und das Angebot erfahren.

Kontakt

Für Betroffene & Angehörige
+43 810 96 98 78
08:00 – 20:00 Uhr (Mo-So)

Allgemeine Anfragen
+43 5223 43 700 33 600
08:00 – 16:00 Uhr (Mo-Fr)