Eine besondere, nie alltägliche Aufgabe

6. Februar 2018 | von

„Sterben ist ein intimes Geschehen. Für die Begleitung braucht es Vertrauen, Fingerspitzengefühl und viel Zeit.“ Hausärztin Lisa Fischer und ihr Kollege Matthias Lutz, Sistrans

„Gerade erst vor einer halben Stunde habe ich einen Anruf bekommen, dass ein Patient von uns gestorben ist“, erzählt Lisa Fischer. „Wir haben ihn die letzten sieben Tage intensiv betreut, teilweise waren wir zwei bis drei Mal pro Tag auf Visite, auch in der Nacht. Neben einer vollen Praxis bringt einen das schon an die eigenen Grenzen. Gestern litt unser Patient an starker Atemnot. Da wir unsere Praxis voll mit PatientInnen hatten, entschieden wir gemeinsam mit den Angehörigen, das Mobile Palliativteam der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft hinzuzuziehen.“ Für Lisa Fischer war es eine große Beruhigung, den Patienten und seine Familie in guten Händen zu wissen.

Grenzen erkennen und sich Hilfe holfen

Seit sie und Matthias Lutz den Diplomlehrgang für Palliativmedizin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft besuchen und dadurch MitarbeiterInnen des Palliativteams persönlich kennengelernt haben, ist es für sie selbstverständlicher geworden, das Palliativteam zu kontaktieren. „Wenn man jemanden persönlich kennt, tut man sich einfach leichter, Hilfe zu holen und die Verantwortung zu teilen.“ Denn, so sind sich beide einig, „wir HausärztInnen sollten keine Einzelkämpfer sein“.

Eine umfassende hausärztliche Betreuung bedeute auch, seine eigenen Grenzen zu erkennen und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. „Wir können alleine gar nicht alles abdecken, was unsere PatientInnen brauchen.“

Das Sterben rechtzeitig ansprechen

Wenn man Lisa Fischer und Matthias Lutz begegnet, spürt man, dass in der Sistranser Hausarztpraxis neben medizinischer Betreuung vor allem die Beziehung zu den Menschen an oberster Stelle steht. Matthias Lutz wird am selben Nachmittag noch eine Sistranserin besuchen, deren Mann vor zwei Wochen gestorben ist – „einfach, um zu fragen, wie es ihr geht, und um Zeit zum Reden zu haben. Uns ist es wichtig, dass wir mit unseren PatientInnen und ihren Angehörigen rechtzeitig das Gespräch suchen, damit der Tod und das Sterben zur Sprache kommen können. Als Hausarzt habe ich den Vorteil, dass ich unsere PatientInnen, ihr Umfeld und ihre Familie oft schon lange kenne.“

Für beide ist die Begleitung von Sterbenden eine besondere, nie alltägliche Aufgabe. „Neben einer guten palliativmedizinischen Betreuung“, so Lisa Fischer, „ist es auch unsere Aufgabe, die Angehörigen auf die letzte Zeit gut vorzubereiten. Das können schwierige Gespräche sein, die Vertrauen, Fingerspitzengefühl und viel Zeit brauchen – eine intensive, aber schöne Aufgabe in meinem Beruf.“

Begegnung auf Augenhöhe

Die gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufe ist für Lisa Fischer und Matthias Lutz ein zentrales Element in der Betreuung von schwer kranken oder sterbenden PatientInnen.

„Es ist beeindruckend zu erleben“, so Matthias Lutz, „wie sich in der Palliativbetreuung Ärztinnen und Ärzte, KrankenpflegerInnen und andere Berufsgruppen auf Augenhöhe, also nicht hierarchisch, begegnen. Gemeinsam wird nach der besten Lösung für die PatientInnen gesucht“, ergänzt Lisa Fischer.

Die beiden Hausärzte Lisa Fischer und Matthias Lutz besuchen zurzeit den „Lehrgang zum ÖÄK-Diplom Palliativmedizin“ der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Maria Streli-Wolf hat sie in ihrer Praxis in Sistrans zum Gespräch getroffen.

Für den nächsten Lehrgang können Sie sich bei der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft vormerken lassen. Tel.: 05 76 77, E-Mail: office@hospiz-tirol.at

Weitere Informationen zum „Lehrgang zum ÖÄK-Diplom Palliativmedizin“ erhalten Sie hier!

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