Ein Schnuppervormittag auf der Hospizstation im Zuge meiner Ausbildung zur Palliativschwester ließ mich nicht mehr los: Nach einer dreimonatigen, für mich sehr emotionalen Denkphase entschloss ich mich zu einem Neustart im Hospizhaus.
Dieser Pflegebereich unterscheidet sich grundlegend von allen anderen mir bekannten Bereichen. Vorhandene Zeit spielt für mich am Krankenbett eine große Rolle: Zeit für ein Gespräch – genau dann, wenn es nötig ist; Zeit für pflegerische Handlungen, wenn der Patient dazu bereit ist; Zeit, den Angehörigen eine Tasse Kaffee anzubieten. Aber auch der interprofessionelle Austausch, die besondere Ruhe und der architektonisch wunderschöne Bau machen diesen Arbeitsplatz zu etwas ganz Besonderem.
Für mich sind die Begegnungen – vor allem der erste Kontakt bei der Aufnahme mit unseren Gästen sowie ihren An- und Zugehörigen – sehr herausfordernd und zutiefst berührend. Da schwingt alles mit: Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Endgültigkeit, Verzweiflung …, aber auch Dankbarkeit. Und wenn wir dann sehen, dass durch unsere Arbeit und unser Dasein im Laufe der Zeit alles irgendwie sanfter und vielleicht eine Spur leichter wird, wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben.
Seit dem Beginn meiner Ausbildung zur Krankenschwester mit 17 Jahren dreht sich in meinem Leben alles um Krankheit, Genesung, aber auch den Tod. Sterben gehört für mich zum Leben. Meine Erfahrungen in diesem Bereich haben mich und meine Einstellung sehr geprägt. Ich bin tief verwurzelt in meinem Glauben, der mich durch belastende Situationen trägt. Deshalb benötige ich keinen speziellen Ausgleich zu meiner Arbeit – oder vielleicht eher andersherum: Für mich ist vor allem diese würdevolle und wertschätzende Arbeit im Hospizhaus der Ausgleich.
DGKP Petra Zeller, Station