Am Freitagabend saß ich in einer Premiere, „Il dolente“ – der Traurige, der traurige Clown. Ein Pantomime, der Trauer auf die Bühne bringt. Ohne ein einziges Wort. Und genau das ist es, was mich so tief berührt hat.
Wir leben in einer Welt, die Trauer erklärt, kategorisiert, in Phasen einteilt. Wir reden darüber, als wäre sie ein Problem, das gelöst werden muss.
Ein Clown macht das Gegenteil. Er zeigt sie. Direkt, ehrlich, manchmal auch ein bisschen schief. Und weil er ein Clown ist, darf er das. Er hat eine Art Narrenfreiheit für die großen menschlichen Wahrheiten.
Ich frage mich manchmal, warum Trauer immer noch so ein Tabuthema ist. Warum wir uns so schwer damit tun, hinzuschauen.
Ein Clown darf das, was wir uns oft nicht trauen. Er darf Tabuthemen anfassen. Er darf zeigen, was wehtut, ohne es zu benennen. Ohne Rechtfertigung. Ohne Erklärung.
Genau darin liegt seine Kraft.
Trauer ist kein Thema für trockene Worte. Trauer ist ein Gefühl. Eine Geste. Ein Atemzug, der stockt. Il dolente, der Clown hat das verstanden. Und er hat mir gestern Abend etwas geschenkt, das Gefühl, mit meiner eigenen Trauer nicht allein zu sein. Dass es um Zuhören und Da sein geht. Dass Trauer normal ist. Dass sie sich wandelt. Ich muss nichts loslassen, ich muss nur zulassen.
Vielleicht braucht unsere Welt mehr Clowns. Nicht weniger Ernst, sondern mehr Mut das Schwere leicht zu halten, ohne es kleinzumachen. Das ist eine Kunst. Und eine, die wir alle viel mehr brauchen.
Il dolente, der traurige Clown ist Wolfgang Sieberer, Ehrenamtlicher Hospizbegleiter im Hospizteam Kufstein
Katrin Gerger, Regionalbeauftragte