Statement der Vorsitzenden


Man steigt niemals in denselben Fluss

Die Coronazeit wird uns noch lange beschäftigen, aber hoffentlich bald vorbei sein. Eine Rückkehr zu Vergangenem ist aber, wie Heraklit schon sagte, im Fluss des Lebens nicht möglich.

Statt Kontrolle, Sicherheiten und liebgewonnener Gewohnheiten begleiten uns derzeit Entschleunigung und teilweiser Stillstand. Zu Hause bleiben lautet die Devise, Abstandhalten, Regeln einhalten – und das, wo doch das Recht auf Freiheit einen immensen Stellenwert hat. Auf einmal treten Tugenden wie Rücksicht, Verzicht und Hilfsbereitschaft in den Vordergrund.

Familie, Nachbarschaftshilfe und Freundschaft bekommen wieder eine wichtige Bedeutung. Aber nicht alle können sich darauf einlassen, zumal viele Menschen existenzielle Sorgen haben. Wut, Angst, Zweifel und Hilflosigkeit spalten eine Gesellschaft. Neben allem, was uns derzeit genommen scheint – das Große, das Kleine, das Tragische, das Wunderbare –, gibt es etwas, was uns alle zusammenhält. Es ist das Mitgefühl, die Zuwendung und das eigene Verantwortungsbewusstsein, das sich im Gemeinwohl widerspiegelt.

Verständnis für die Situation des anderen zu zeigen, ist eine individuelle Entscheidung jedes Einzelnen und mündet letztendlich in der Solidarität einer Gemeinschaft, die auch Schutz bieten kann.

Nähe auf Distanz

Nicht nur in der letzten Phase unseres Lebens, sondern in unserem ganz persönlichen Alltag besteht die wahre Begegnung in der Stille des Innehaltens, des Hörens und des Handelns. Wachsame, liebevolle Beziehungen und stärkende Gespräche können so manchen seelischen und körperlichen Schmerz lindern. Diese Nähe ist auch auf Distanz möglich. Gemeinsames Vertrauen in das Unvorhersehbare lässt berührende, unvergessliche Momente entstehen. Die Kraft liegt im Gefühl der Geborgenheit. Das ist auch eine Art von „Wohlstand“.

Vielleicht brauchen wir gerade in unsicheren Zeiten Ruhe und Geduld, damit selbst ohne Virus ein Wandel möglich wird, um uns immer wieder neu auf den Fluss des Lebens einlassen zu können.

Ihre
Marina Baldauf, ehrenamtliche Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Foto: Tiroler Hospiz-Gemeinschaft/Gerhard Berger