Statement der Vorsitzenden

Elisabeth Zanon

Vom Mut, neu leben zu lernen

„Die Geschichte von Rosalinde Seelos, die Sie in dieser Ausgabe der Sonnenblume lesen können, hat mich sehr beeindruckt,“ sagt Elisabeth Zanon, ehrenamtliche Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft.

Eine junge Frau mit 23 Jahren hatte einen Autounfall und war von einer Sekunde auf die andere querschnittgelähmt. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich in der Früh meine Beine aus dem Bett gleiten lasse, aufstehe, ins Bad gehe und weiter in die Küche, um mir mein Frühstück zu richten. Später setze ich mich auf mein Fahrrad und radle zur Arbeit. Den Gedanken, dass mir diese Fähigkeit geraubt werden könnte, schiebe ich weit, weit weg.
Teilweise ist das wohl auch gut so. Wir Menschen könnten uns nicht entfalten, uns nicht weiterentwickeln oder Neues, manchmal vielleicht auch Riskantes wagen, wenn wir uns ständig unserer eigenen Zerbrechlichkeit bewusst wären. Dennoch macht mich die Geschichte von Rosalinde Seelos nachdenklich. Wer wäre ich, wenn ich plötzlich im Rollstuhl sitzen müsste? Was bliebe von mir und meiner Persönlichkeit übrig, was müsste sich in mir verändern?
Zugleich gibt mir diese Geschichte Mut und Hoffnung, dass wir Menschen grundsätzlich die Fähigkeit besitzen, mit einem großen Verlust neu leben zu lernen. Obwohl Rosalinde mit 23 als alleinerziehende Mutter im Rollstuhl sitzen musste, hat sie ihren Mut, ihren Humor und ihre Liebe zum Leben nicht verloren. Natürlich hat sie diese Eigenschaften nicht von einem Tag auf den anderen wiedergefunden. Auch sie musste tiefe Täler durchwandern und durchleiden, um ihre ganz persönliche Lebensqualität neu zu entdecken. Es lohnt sich, immer wieder zu fragen, was wirklich wichtig ist.

Ihre Elisabeth Zanon, ehrenamtliche Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Foto: Tiroler Hospiz-Gemeinschaft/Gerhard Berger