Statement der Vorsitzenden

Elisabeth Zanon

 Gute Augenblicke

„Wenn die Endlichkeit des Lebens greifbar nahe ist, sind es oft kleine Momente, die Freude schenken.“ Elisabeth Zanon.

Manchmal ist das schwierig für mich, weil ich jetzt noch nicht weiß, was in der Zwischenzeit passieren wird. Dies macht mir bewusst, dass meine Gedanken oft um die Zukunft kreisen oder ich in der Vergangenheit hängen bleibe. Häufig bin ich im Geiste überall und nirgendwo. Was mir immer hilft, ganz im Augenblick zu sein, ist ein Besuch auf unserer Hospiz- und Palliativstation. Ein Gespräch, eine Begegnung mit schwer kranken, sterbenden Menschen, die wissen oder ahnen, dass sie nicht mehr lange leben werden, ist für mich jedes Mal von Neuem eine Chance der „Augenblicklichkeit“. Es tut mir gut zu sehen, mit wie viel Genuss eine Patientin ihren Kaffee trinkt. Es berührt mich, wie sehr ein sterbender Patient den Besuch seiner Enkelin genießt. Und es macht mich ruhig und zufrieden zu erleben, wie eine junge Patientin von ihrem Bett aus ein heftiges Gewitter beobachtet und sich freut, dass es im Zimmer endlich kühler wird.

Wenn die Endlichkeit des Lebens greifbar nahe ist, sind es oft kleine, unspektakuläre Momente, die den Menschen im Hospiz große Freude schenken: ein gutes Essen, eine schöne Musik, der Regen, die Sonne, eine Blume oder eine liebevolle Berührung.

Es wäre schön, wenn es uns öfter gelänge, diese kleinen, unspektakulären Momente in uns aufzunehmen und auszukosten. In diesem Sinne danke ich den Menschen, die wir in der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft begleiten, dass sie mir ein Stück weit helfen, im Moment zu sein.

Ihnen, liebe WeggefährtInnen, wünsche ich gute Augenblicke und einen farbenprächtigen Herbst.

Ihre Elisabeth Zanon, ehrenamtliche Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Foto: Tiroler Hospiz-Gemeinschaft/Gerhard Berger