Tagebuch

Archiv: sterbebegleitung

Vernissage auf der Hospiz- und Palliativstation Innsbruck

14. Februar 2011 | von

Am vergangenen Freitag, den 11. Februar 2011, fand eine beeindruckende Vernissage auf der Hospiz- und Palliativstation in Innsbruck statt. Edith Scherkl, die vom mobilen Hospiz- und Palliativteam der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft betreut wird, freute sich über die zahlreichen Gäste und das große Interesse an ihren Bildern.

Im Folgenden einige Bildimpressionen von einem besonderen Abend:

Edith Scherkl mit ihrem Ehemann

Elisabeth Draxl (Pflegedienstleitung der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft) bei der Begrüßungsansprache

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Nachlese: Seminare leiten – Didaktik von Palliative Care

25. Januar 2011 | von

Damit möglichst viele Menschen vom Wissen und der Erfahrung, die wir in der Begleitung und Behandlung von schwerkranken Menschen sammeln, profitieren können, legt die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft großen Wert auf die Schulung ihrer ReferentInnen. Diese sind wichtige Botschafter und Multiplikatorinnen und vermitteln in vielfältigen Veranstaltungen, Vorträgen, Seminaren ihre Kompetenzen an KollegInnen aller Berufssparten.

Am 20.1.2011 trafen sich 17 Personen, darunter Ärzte, ÄrztInnen, Pflegende, eine Sozialarbeiterin sowie eine Psychotherapeutin, die alle auch als ReferentInnen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zur Verfügung stellen. Es war ein reger Austausch mit dem Ziel, (neue) Methoden zur Vermittlung von Fachwissen kennenzulernen und zu optimieren. Das Schwerpunkthema des Tages war "Schmerzen". Schmerzen gehören zu den gefürchtetsten und gleichzeitig häufigsten Symptomen schwer kranker und sterbender Menschen.

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Jahresabschiedsritual des Mobilen Teams

18. Januar 2011 | von  | 5 Kommentare

Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Mobilen Hospiz- und Palliativteams trafen sich am 12. Jänner 2011 zum Jahresabschiedsritual am Innufer in Innsbruck.

Vorbereitungsarbeiten vor dem Ritual

Am Anfang wurde gemeinsam gesungen …

… und eine kurze Einstimmung vorgelesen.

Es wurde geräuchert.

Der Name jedes Verstorbenen im Jahr 2010 wurde von den Teammitgliedern auf einen Stein geschrieben.

Die Namen wurden von den Teammitgliedern vorgelesen …

… und jeder Stein wurde einzeln dem Inn übergeben.

Als Zeichen des Abschiedes wurden auch Kerzenboote ins Wasser gesetzt …

… die sich auf ihren letzten Weg machten.

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Spiritual Care – Vom Geist (der Haltung), sich das Leben zu nehmen

12. Januar 2011 | von

"Wir werden oft aufgefordert den Tag so zu leben als ob es unser letzter wäre. Ich tendiere mehr zu der Einstellung, den Tag so zu leben, als ob es der erste Tag für den Rest meines Lebens wäre." Norbert Schletterer

Bei dieser Haltung handelt es sich weder um eine Euthanasieanleitung noch um eine Aufforderung zum Selbstmord! Es ist eine in Worte gefasste Haltung, unser Leben nicht nur zu betrachten, sondern anzuerkennen und anzunehmen.

In der Betrachtung unseres Lebens sind wir oft verleitet unser momentanes Leben zu vergleichen.

Wir nehmen unser derzeitiges Leben als Referenzpunkt und begeben uns in die Trauer /Erleichterung über Vergangenes/Überstandenes oder in eine Welt der Wünsche und Erwartungen von Zukünftigem.

Ungelebtes und aufgeschobenes Leben

Und dabei hätten wir in der Begleitung von schwerkranken Menschen so oft die Gelegenheit der Beobachtung von ungelebtem und aufgeschobenem Leben (der 60 jährige Tumorpatient, der sein Leben auf die Pension aufsparen wollte, …), oder aus dem Akzeptieren eines allzu kurzen Therapieerfolges („… aber in meinem letzten Dienst habe ich Fr. Mair ja noch mobilisieren können?“) zu lernen.

Voraussetzung um sich das Leben nehmen zu können, ist wohl die primäre Annahme eigener Lebensanteile.

Trennung zwischen Sterbenden und Lebenden

Manchmal habe ich in Besprechungen über Patienten den Eindruck als ob es eine Trennung, eine Seite der Sterbenden und eine der Lebenden, geben würde. Das Sterben ist jedoch so wie die Geburt ein ganz konkreter und unmittelbarer Lebensanteil/Lebensbestandteil. Eigentlich bräuchten wir uns darum nicht zu sorgen, da wir diesen Bestandteil ja seit Beginn in uns mittragen. Das wiederum würde aber auch bedeuten, dass wir uns alle (Lebende und Sterbende) immer noch in diesem, uns ureigenen Lebensstrom (ver-) be-finden.

In weiterer Folge bedeutet daher, sich das Leben zu nehmen, es sich auch in der Begleitung von kranken Menschen nehmen zu können. Ich beobachte oft Situationen wo Patienten mit Freude wahrnehmen, wenn auch Pflegende auf ihre Bedürfnisse hinweisen und dadurch vermittelt bekommen, dass auch Betreuende die Fähigkeit haben auf sich zu schauen – sich das Leben zu nehmen.

Grenzenloses Kümmern und Sorgen

Gerade in emotional und gesellschaftlich so hoch wertgeschätzten Bereichen wie der Hospizarbeit, besteht leicht Gefahr, dass das grenzenlose Kümmern und Sorgen um die Lebensqualität der Patienten zum Ersatz der eigenen ungelebten Lebensanteile wird. Eigene Lebensanteile nicht zu leben, sie zurückzuweisen, nützt jedoch einem anderem Menschen, dem es derzeit nicht so gut geht, nichts.

Wir werden oft aufgefordert den Tag so zu leben als ob es unser letzter wäre. Ich tendiere mehr zu der Einstellung, den Tag so zu leben, als ob es der erste Tag für den Rest meines Lebens wäre.

Sich das Leben zu nehmen, als ob es das erste Mal wäre.

Das Leben zu nehmen ist das Standbein für die Haltung des Bei-Leid (darüber im Februar).

Und so wünsche ich allen LeserInnen im neuen Jahr, den Geist sich das Leben zu nehmen und es sich in Fülle zu nehmen. Um dadurch „Lebens-Mittel“ zu sein für andere.

Norbert Schletterer

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Rückblick: Erholsam und lehrreich zugleich

27. Dezember 2010 | von

"Die Natur mit allen Sinnen erleben."

12. Juni 2010 Tag für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen

Die ganze Woche schon Sonne pur mit sommerlichen Temperaturen und ich hatte keine Zeit den Sommer zu genießen. Die Versuchung war sehr groß den ehrenamtlichen Tag einfach zu schwänzen, obwohl ich schon fix angemeldet war. Aber schlussendlich waren die angebotenen Workshops doch zu verlockend und ich machte mich zeitig am Morgen bei strahlendem Sonnenschein auf nach St. Michael.

Im Austausch mit Gleichgesinnten

Es ist immer wieder schön, viele bekannte Gesichter zu sehen, und bei einem „Ratscher“ zu hören, was in den anderen Gruppen so los ist. Es tut einfach gut, mit Gleichgesinnten über unsere ehrenamtliche Tätigkeit zu reden – zu sehen, dass es ähnliche Schwierigkeiten gibt, aber auch zu hören, dass diese Arbeit uns so unendlich viel gibt.

Nach einer Tasse Kaffee fing dann der erste Workshop an. „Die Natur mit allen Sinnen erleben“ hat bei dem herrlichen Wetter sehr viel Spaß gemacht, und es war eine Wohltat, meine Umgebung ganz bewusst mit jeweils nur einem Sinnesorgan wahrzunehmen. Es ist unglaublich, wie sich der Boden unter nackten Füßen anfühlt oder wie schwierig es ist, nur zuzuhören und dabei alle anderen Sinne auszuschalten.Die Zeit bis zum Mittagessen verging wie im Flug.

Auf Spurensuche nach dem Ich

Nach dem gemeinsamen Essen und weiteren Gesprächen mit lieben Menschen aus anderen Gruppen stand der zweite Workshop auf dem Plan. Ich hatte mich für die „Spurensuche – warum wir sind, was wir sind“ entschieden. Auch in diesem Workshop habe ich viel über mich und meine Einstellung zur Hospizarbeit nachgedacht und die Zeit, die ich für mich hatte, sehr genossen.

Ein sehr lehrreicher, aber auch erholsamer Tag an dem ich viel Kraft sammeln konnte. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Mal. DANKE an alle die mitgeholfen haben, so einen tollen Tag zu organisieren.

Bettina Soussi, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Hospizgruppe Landeck

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Palliative Sedierungstherapie

22. Dezember 2010 | von  | 1 Kommentar
Palliative Sedierungstherapie

„Palliative Sedierungstherapie ist keine ‚Ruhigstellung‘, sondern eine Behandlung.“ Dr. Christoph Gabl

Palliative Sedierungstherapie – Chance und Herausforderung

Die Palliative Sedierungstherapie als Möglichkeit, schwer kranken Menschen in der letzten Lebensphase Linderung und Erleichterung zu verschaffen, war das Thema des Palliativforums am 9. Dezember 2010.

Dr. Christoph Gabl, Arzt der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, arbeitete in seinem Vortrag heraus, dass die Sedierung schwer kranker Patientinnen und Patienten ein sinnvolles Mittel sein kann, wenn ein Leiden unerträglich und mit üblichen Mitteln nicht therapierbar, also therapierefraktär ist. Christoph Gabl legte Wert auf die Feststellung, dass die Palliative Sedierungstherapie eine Behandlung ist und nicht nur „Ruhigstellung“. Ihr Ziel ist die Symptomlinderung, eines der Grundprinzipien jeder palliativen Behandlung.

Einverständnis von Patient/in und Angehörigen

„Die Entscheidung, ob diese Therapie angewendet werden kann, beruht wie bei jeder anderen medizinischen Therapie auf zwei Pfeilern: Es braucht eine Indikation und es braucht das Einverständnis der kranken Person“, erklärte der Referent. Wenn die Patientin bzw. der Patient dieses Einverständnis nicht mehr geben kann und keine Patientenverfügung vorliegt, muss man den mutmaßlichen Patientenwillen berücksichtigen.

„Die Entscheidung für oder gegen eine Palliative Sedierungstherapie ist auch für die Angehörigen der kranken Person sehr wichtig, und sie sollten daher unbedingt einbezogen werden“, erklärte Christoph Gabl. Durch die Sedierung werde schließlich die Kommunikation verunmöglicht, „im Sinne von Palliative Care sind wir aber grundsätzlich immer darum bemüht, die Kommunikationsmöglichkeit aufrechtzuerhalten, wenn das möglich ist.“

Die letzte Möglichkeit

Man müsse sehr genau prüfen, warum man eine Palliative Sedierungstherapie in Erwägung ziehe, sagte Christoph Gabl: „Eine gewisse Gefahr liegt darin, dass man es macht, weil das Betreuungsteam oder die Angehörigen mit dem Leiden der kranken Person nicht mehr zurecht kommen, und nicht weil die Patientin bzw. der Patient selbst die Sedierung möchte.“ Die Palliative Sedierungstherapie sei die letzte Möglichkeit, die erst dann in Betracht gezogen werden solle, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind. „Es gibt auch Patientinnen und Patienten, die auf jeden Fall wach sein wollen, und dafür auch sehr belastende Symptome in Kauf nehmen“, berichtete der Referent aus seiner Praxis.

Sterbephase nicht beschleunigen

In seinem Vortrag behandelte Christoph Gabl sehr ausführlich die ethische Komponente des Themas. Man müsse die Palliative Sedierungstherapie strikt von Euthanasie unterscheiden, betonte der Mediziner: „Diese Therapie hat nicht das Ziel, die Sterbephase zu beschleunigen.“ Es gebe auch in bisherigen Studien keinen Hinweis darauf, dass durch Palliative Sedierung die Lebenszeit verkürzt wird. Das sei auch eine wichtige Information für Betreuungsteams, die sich scheuen, Palliative Sedierungstherapie anzuwenden, aus Sorge, damit in einen ethischen Grenzbereich zu geraten.

„Wenn sich Betreuungsteams mit den Richtlinien genau auseinandersetzen, können sie erkennen, dass die Sedierung für manche ihrer palliativ betreuten Patientinnen und Patienten eine Möglichkeit ist“, sagte Christoph Gabl. Er möchte Ärztinnen und Ärzten Mut machen, diese Therapie auch außerhalb des Krankenhauses anzuwenden, wenn sie indiziert ist.

Sonja Prieth, Bildungsreferentin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Weiterführende Links:

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„Sich den wichtigen Fragen rechtzeitig stellen“ – Palliative Care im Altersheim

16. Dezember 2010 | von

Die TeilnehmerInnen des ersten Praxislehrganges Palliative Care (Klaus Rainer ganz rechts)

„Immer öfter spürte ich als Pflegedienstleiter im Altersheim, dass ich in einer gewissen Spannung stand. Einerseits wollte ich unsere BewohnerInnen aktivieren, sie gesund und einigermaßen fit halten, andererseits war es mir immer mehr Bedürfnis, sie auch gut sterben zu lassen“, erzählt Klaus Rainer, Pflegedienstleiter im Altenwohn- und Pflegeheim Zell am Ziller.

Um mit dieser Spannung besser umgehen zu können, besuchte er im vergangenen Jahr den ersten Praxislehrgang für Palliative Care in Schwaz, organisiert von der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und dem Bezirkskrankenhaus Schwaz.

Dem Sterben Raum schaffen

Die intensive Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer und der Austausch mit anderen ermutigten ihn, sich auf die HeimbewohneInnen und ihre Angehörigen viel mehr einzulassen. „Oft schiebt man ja Fragen rund um den Tod und das Sterben vor sich her. Um dem Sterben im Altersheim aber den notwendigen Raum zu verschaffen, ist es wichtig, bestimmte Dinge rechtzeitig anzusprechen. Nicht erst wenn der Notarzt da ist.“

So ist Klaus Rainer jetzt viel hellhöriger, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner sagt, dass sie oder er nicht mehr ins Krankenhaus möchte. „Das sind gute Gelegenheiten, mit diesem Menschen und auch mit den Angehörigen darüber zu sprechen, was getan oder nicht getan werden soll, wenn es dem Ende zu geht“, erzählt der Pflegedienstleiter. Damit das gesamte Personal im Heim darüber informiert ist, werden solche Gespräche schriftlich aufgezeichnet. „Das ist eine große Hilfe und Entlastung für die MitarbeiterInnen.“

Chance für bessere Zusammenarbeit

Neben den internen Veränderungen im Heim bewirkte der Lehrgang auch, dass sich die HeimmitarbeiterInnen mit den ÄrztInnen und SprengelmitarbeiterInnen besser austauschen und vernetzen. „So ein Lehrgang ist immer eine Chance informelle Kontakte zu knüpfen – und das wirkt sich auf die Qualität der Arbeit positiv aus.“

Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft hat auf Anregung von Klaus Rainer gemeinsam mit dem Altenwohn- und Pflegeheim Zell am Ziller und dem Franziskusheim Fügen einen weiteren Lehrgang für Palliative Care in der Region und für die Region organisiert. Im Herbst hat dieser 40 stündige Lehrgang mit 21 TeilnehmerInnen stattgefunden und ist mittlerweile abgeschlossen.

Sollten Sie Interesse an einem solchen Lehrgang für Ihre Institution oder Region haben, melden Sie sich im Bildungsreferat der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, Telefon: 05 – 76 77-411, sonja.prieth@hospiz-tirol.at

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Abschluss Ehrenamtlichen Kurs Außerfern

6. Dezember 2010 | von

Die TeilnehmerInnen beim Abschlusstag ihrer Ausbildung zur ehrenamtlichen HospizbegleiterIn mit Annelies Egger (Regionalbeauftragte für das Oberland, links).

Die Gruppe gestaltete gemeinsam den Kursabschluss.

Es gab Zeit zum Gedankenaustausch ...

... für Begegnungen ...

... und gute Gespräche.

Auch für das leibliche Wohl wurde von den TeilnehmerInnen gesorgt.

Am Samstag den 4. Dezember 2010 fand der Abschlusstag der Ausbildung zur ehrenamtlichen HospizbegleiterIn im Haus Ehrenberg in Reutte statt. Die TeilnehmerInnen absolvierten 80h Theorie und 80h Praxis als Vorbereitung auf Ihre zukünftige Tätigkeit als ehrenamtliche HospizbegleiterInnen.

Wir gratulieren allen TeilnehmerInnen zum erfolgreichen Abschluss Ihrer Ausbildung und danken Ihnen für Ihre Bereitschaft, die Hospizbewegung in Tirol durch Ihr Engagement mitzutragen!

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Diagnose: Sterbend.

22. November 2010 | von  | 1 Kommentar

Kriterien, Zeichen, Konsequenzen

„Prognosen abzugeben ist oft schwierig.“ Elisabeth Medicus, ärztliche Leiterin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

„In der Medizin und in der Pflege sind wir gewohnt, Diagnosen zu stellen. Eine Diagnose ist die Basis für Entscheidungen über die weitere Behandlung und Betreuung“, erklärten die Referentinnen beim Palliativforum am 11. November 2010, Dr. Elisabeth Medicus und DGKS Maria Schmidt.

Dieses gewohnte Schema funktioniert dann nicht mehr, wenn ein Mensch sich dem Lebensende nähert. „Es gibt in der Medizin eine Todesdiagnostik, aber keine Diagnostik für das Sterben“, stellte Elisabeth Medicus fest und fügte hinzu: „Es ist auch in vielen Fällen wirklich schwierig, zu sagen, ob ein Mensch nun bereits sterbend ist oder nicht.“

Zwischen Hoffen und Bangen

Relativ einfach ist die Diagnose „Sterbend“ bei TumorpatientInnen, deren Krankheit in der letzten Phase einen ziemlich linearen Verlauf nimmt. Bei demenzkranken Menschen ist das Sterben schwerer zu diagnostizieren, und besonders unklar ist die Prognose bei Personen mit Herzinsuffizienz oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. „Da ist man mitunter über eine recht lange Zeit in einem Zustand zwischen Hoffen und Bangen“, erzählte Medicus, „und das ist sehr schwierig, wenn man immer wieder aufs Neue damit rechnet, dass jetzt der Tod nahe ist.“

„Wir Pflegenden kennen viele Hinweise auf das Sterben.“ Maria Schmidt, Diplomkrankenschwester im Mobilen Palliativteam der THG

Auch die Pflege kennt keine Diagnose für das Sterben. „Aber es gibt einige sehr deutliche Hinweise, die wir kennen und die uns die Einschätzung erleichtern“, erklärte Maria Schmidt. Ein starkes Bedürfnis nach Rückzug, kein Interesse an Essen, Unruhe, Verwirrtheit und kalte Extremitäten sind nur einige von diesen Hinweisen.

Die Möglichkeit, sich vorzubereiten

Warum ist es so wichtig, zu wissen und auch zu benennen, dass eine Person sterbend ist? „Es ist nachgewiesen, dass Menschen am Lebensende den großen Wunsch haben, sich vorbereiten zu können. Sie möchten ihr Leben bilanzieren“, berichtete Elisabeth Medicus, „wenn man also das Sterben nicht anspricht, nimmt man den betroffenen Menschen die Möglichkeit, vieles noch zu tun und zu erleben.“

Es sind in der Regel die Ärztinnen und Ärzte, von denen eine klare Aussage über die Prognose erwartet wird. „Wir können uns hier nicht nur an Fakten und Prozentzahlen orientieren, sondern müssen auch unsere Intuition ernst nehmen“, findet Elisabeth Medicus, die ärztliche Leiterin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Mit den PatientInnen und ihren Angehörigen spricht sie nicht über konkrete Zeitangaben, es sei aber möglich, in Dimensionen zu sprechen: „Man kann in vielen Fällen schon sagen, ob es sich um Stunden, Tage, Wochen oder Monate handelt.“ Für die Angehörigen seien solche Aussagen wichtig und sie könnten sie meist auch gut annehmen.

Entscheidungen gemeinsam treffen

Die beiden Referentinnen, Elisabeth Medicus und Maria Schmidt, betonten in ihrem Vortrag aber auch, dass die MedizinerInnen nicht alle Entscheidungen allein treffen müssen und sollen. Sie stellten drei Instrumente vor, die für die Betreuung am Lebensende hilfreich sind, weil damit alle Beteiligten in die Entscheidungen einbezogen werden können.

Der Palliative Behandlungsplan bietet Unterstützung bei der Betreuung Sterbender zu Hause und im Pflegeheim. Weitere Informationen finden Sie hier.

Der „Runde Tisch“ ist eine Möglichkeit, alle Beteiligten (PatientIn, Angehörige, ÄrztInnen, Pflegende, VertreterInnen der verschiedenen Betreuungssysteme) auf den gleichen Informationsstand zu bringen und gemeinsam das weitere Vorgehen zu planen. „Die Organisation dieser Besprechungen ist oft aufwendig“, berichtete Elisabeth Medicus, „aber es lohnt sich zu 100 Prozent!“

Ein weiteres Instrument, das die Referentinnen vorstellten ist der Liverpool Care Pathway (LCP), der auf der Hospiz- und Palliativstation der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft angewendet wird. Informationen darüber gibt es ebenfalls auf der Website des Palliativzentrums St. Gallen, mit dem die THG in diesem Thema sehr gut zusammenarbeitet.

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Ein bunter Vogel, der Freiheit schenkt

16. November 2010 | von

Fünf Jahre lang betreute Gertraud Vittur ihren 97-jährigen Mann Leo ganz alleine. Weil sie nicht auf die Idee kam, um Hilfe zu bitten.

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