Spiritual Care – Der Geist des Bei-Leidens

2. März 2011 | von

Leiden bedeutet: „Lass mich dort und sieh mich dort!“

In Hospizkreisen ist es normalerweise üblich auf einen deutlichen Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid hinzuweisen. Ich möchte heute etwas genauer auf diese Begriffe hinschauen und daraus ein Haltung erarbeiten die ich lieber als Bei-Leiden bezeichnen möchte.

Mit-Leid setzt sich zusammen aus Mit (lat. com) und Leiden (lat. pati).

Com-pati bedeutet zugleich-leiden. Und so geht es uns häufig auch, wenn wir mit dem Leiden anderer konfrontiert werden. Wir leiden zugleich, obwohl wir gar nicht in derselben „Leidenssituation“ sind.

Das was uns da leiden lässt sind unsere eigenen Vorstellungen von Leiden, die plötzlich im Kontakt mit fremdem Leid wieder mitschwingen und zum Vorschein kommen. Und um dieses „eigene“ aufkommende Leid auszuhalten brauchen wir dann Trost. Im Grunde trösten wir unser „eigenes“ Leid und versuchen dadurch das Leid dadurch zu erleichtern.

Wir bieten rasch Taschentücher an („ich will dich vom weinen erleichtern“),

auch Körperkontakte (eingreifen) kann raffend sein („ich will dich vom Schmerz weg holen“).

Mitleiden falsch verstanden ist es ein von oben nach unten („ich ertrinke mit dir“).

Wir brauchen jedoch etwas, um das Leiden handhabbar zu machen.

Und so ist der weit verbreitet Umgang der Gesellschaft mit Leiden:

  • es zu filtern, Ursachenforschung zu betreiben, zu analysieren, …
  • Leiden, Katastrophe „interessant“ zu finden (sie kognitiv verarbeiten zu versuchen, durch Medienberichte und ähnliches)
  • ästhetisch darzustellen (in Form von Bilder, Statuen, …)

Leiden im Alltag zu ästhetisieren kann zum „burn out“ führen, da die Ansprüche immer höher geschraubt werden.

Mitleiden kommt in der deutschen Sprache von antwurti und das heißt Antworten.

Und antworten hat seinen Ursprung im „entgegen reden“.

Mit-Gefühl bedeutet, „ich fühle mit dir“. Das Gefühl ist jedoch zu wenig, zu sacht wenn es um Leiden in Form von Schmerz, Verlassenheit, Sinnlosigkeit oder Bodenlosigkeit geht.

In den dunkelsten Momenten (kein Licht, kein Halt, keine Orientierung) des Lebens, kann man sich nicht herausziehen und auch nicht herausgezogen werden.

Wenn man mit dem Leben nicht mehr in Kontakt ist.

Dann ist Bei – leiden nötig.

Mitleid ist der Überbegriff, es geht um den Geist des Bei – Leidens.

Leiden bedeutet: „Lass mich dort und sieh mich dort!“

  • das Leiden als Leiden wahr-nehmen.
  • das Bei-Leiden nähert sich langsam und kommt dazu;

es geht um einen „Rollentausch“, dieser ermöglicht den Versuch zu verstehen;

(aus der Perspektive des anderen her begreifen zu lernen; manchmal benötigt es den Rollentausch öfters um verstehen zu lernen);

  • ein kurzer Impuls des Mitleides um dann zum Bei-Leiden zu kommen kann manchmal helfen („O, Gott, was haben sie ihr angetan?“)

Beileiden bedeutet: nicht auf Ergebnisse zu schauen (ich weiß nicht wie es ausgeht).

Beileid akzeptiert das Leiden,

Beileid gibt dem Mitmenschen Bedeutung und Wert,

Beileid verzichtet auf (Er-)Lösung;

Beileid traut dem anderen einen Umgang mit Leid zu.

(Monika Müller, Dem Sterben Leben geben)

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