Ich nehme mein Diensthandy in die Hand, um es auf Flugmodus zu setzen. In genau diesem Moment klingelt es. Eine unbekannte Nummer. Der dritte Anruf, die zwei davor hatte ich nicht mitbekommen.
Ich zögere kurz. So spät. Sonntag. Soll ich abheben?
Mein Bauchgefühl sagt ja.
Am anderen Ende eine ältere Dame. Schüchtern, zögernd. Sie hält einen Zettel in der Hand und darauf steht, erzählt sie, „wir schenken Zeit“.
Unsere Nummer. Die Nummer des Hospizteams.
Sie lebt im Wohnheim. Sie ist 85. Und sie ist einsam. Sie hat sich getraut anzurufen, an einem Sonntagabend.
Und sie war so glücklich und dankbar, dass jemand abgehoben hat. Sie hat mich gefragt, ob sie mich Katrin nennen darf.
Wir haben vereinbart, dass ich sie diese Woche besuche. Und wenn es für sie passt, wird eine Ehrenamtliche regelmäßig wiederkommen.
Dieses Telefonat hat mich tief berührt. Ihre Freude. Ihre Erleichterung. Ihre Berührtheit in ihrer Stimme, dass da jemand war.
Hospiz, das verbinden viele mit Sterben, mit Tod, mit dem letzten Atemzug. Ja, wir begleiten Menschen an ihrem Lebensende. Das ist unsere Aufgabe.
Doch Einsamkeit ist auch ein Lebensende. Ein langsames. Ein sehr stilles. Wenn niemand mehr kommt. Wenn die Tage eintönig ineinander verschwimmen.
Wenn man einen Zettel in die Hand nimmt und sich traut anzurufen, weil man hofft, dass jemand abnimmt.
Wir schenken Zeit. Manchmal ist das alles, was ein Mensch braucht.
Katrin Gerger, Regionalbeauftragte