Es ist Mittwochmorgen. Ich blicke aus dem Fenster und sehe nichts als Regen. Es schüttet wie aus Eimern. Ausgerechnet heute. Denn heute kommen im Rahmen des „Jahres des Ehrenamts 2026“ die beiden Freiwilligenkoordinatorinnen Simone Ortner-Trebo und Angelika Koidl auf ihrer zwölftägigen Radtour durch Tirol nach St. Johann. Alle Freiwilligen der Region sind eingeladen, ein Stück mitzuradeln und damit ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung des Ehrenamts zu setzen.

Während ich den Regen beobachte, überlege ich kurz, ob ich mir das wirklich antun soll. Doch dann denke ich an unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Auch in ihren Begleitungen scheint nicht immer die Sonne. Und dennoch kommen die Ehrenamtlichen regelmäßig, verlässlich und mit offenem Herzen zu ihnen. Also ziehe ich wetterfeste Kleidung an und mache mich auf den Weg.
Die beiden „Zwei Lächeln auf großer Tour“, Simone Ortner-Trebo vom Freiwilligenzentrum Osttirol und Angelika Koidl vom Freiwilligenzentrum Wipptal, sind seit Anfang Juni mit dem Gravelbike und einem E-Lastendreirad quer durch Tirol und Südtirol unterwegs. Rund 500 Kilometer legen sie zurück, besuchen soziale Einrichtungen, treffen engagierte Menschen und packen dort mit an, wo Hilfe gebraucht wird. Jeder Kilometer steht symbolisch für die vielen Menschen, die sich Tag für Tag freiwillig für andere einsetzen.
Gemeinsam radeln wir von St. Johann nach Brixen im Thale. Der Regen begleitet uns beinahe die gesamte Strecke. Doch trotz der nassen Kleidung und der grauen Wolken ist die Stimmung erstaunlich heiter. Vielleicht gerade deshalb, weil alle wissen, warum sie hier sind. Es geht nicht um sportliche Leistung. Es geht um Solidarität, Gemeinschaft und darum, sichtbar zu machen, was sonst oft im Verborgenen geschieht.
Im Pfarrhof in Brixen werden wir schließlich herzlich empfangen. Mit ausgezeichnetem Kuchen, einer heißen Tasse Kaffee und viel Gastfreundschaft können wir uns aufwärmen. Es sind solche Momente, die zeigen, wie einfach und gleichzeitig wertvoll gelebtes Miteinander sein kann.
Für mich war diese gemeinsame Fahrt weit mehr als eine Radtour. Sie war ein Symbol für das Ehrenamt selbst. Ehrenamt bedeutet, sich auf den Weg zu machen – auch wenn die Bedingungen nicht perfekt sind. Es bedeutet, da zu sein, wenn jemand Unterstützung braucht. Es bedeutet, Zeit zu schenken, zuzuhören und Mitmenschlichkeit zu leben.
Deshalb war es mir wichtig, an diesem Tag mitzuradeln. Als Zeichen der Wertschätzung für all jene Menschen, die sich in unterschiedlichsten Bereichen freiwillig engagieren – und ganz besonders für unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Sie schenken schwerkranken und sterbenden Menschen etwas, das unbezahlbar ist: ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit und ihre Menschlichkeit.
Der Regen hat uns an diesem Tag zwar durchnässt. Die Botschaft, die wir gemeinsam auf die Straße gebracht haben, aber strahlte heller als jede Sonne.
Sigrid Wörgötter, Regionalbeauftragte Bezirk Kitzbühel