Wir begleiten Menschen, und wenn sie versterben, erinnern wir uns an sie. Wer war dieser Mensch? Was hat ihn ausgemacht? Was hat ihn besonders gefreut? Dann werden der Name und das Sterbedatum auf einen Stein geschrieben.




Einmal im Jahr treffen wir uns am Inn zu einem Ritual und übergeben die Steine dem Fluss. Wir nennen noch einmal jeden Namen – diesmal waren es 222. Besonders schön finden wir die kleinen Boote, die wir mit auf die Reise schicken.
Das Ritual wird mit Liedern und einem Text umrahmt. Den Text von diesem Jahr teilen wir hier gerne mit euch:
Der Zug des Lebens
Das Leben ist wie eine Zugfahrt – Haltestellen, Umwege, Aufenthalte – Geplantes und auch viel Ungeplantes passiert auf der Fahrt.
Wir steigen ein, treffen auf unsere Eltern, Geschwister, später dann Schulfreunde, KollegInnen, Wegbegleiter, vielleicht sogar die Liebe unseres Lebens.
Und wir denken, dass sie alle immer mit uns reisen werden.
Aber plötzlich – an irgendeiner Haltestelle – wird jemand aussteigen; wir müssen die Reise ohne ihn fortsetzten. Sein Sitzplatz bleibt leer – vielleicht wird er an den kommenden Stationen wiederbelegt.
Es ist ein Kommen und Gehen: Passagiere verlassen den Zug, andere steigen ein.
Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschieden.
Unsere Fahrt geht weiter – es bleiben die Erinnerungen an die einstigen Mitreisenden.
Sie sind alle bereits an ihrem Endbahnhof angekommen – vielleicht treffen wird dort alle wieder zusammen, wer weiß es schon?
(Autor unbekannt, adaptiert von Maria Holas)

Renate Fuchs, Mobiles Hospiz- und Palliativteam