„Ich sehe diese stete Spannung zwischen Abschied und Neubeginn als persönliche Entwicklungschance.“
Marina Baldauf ehrenamtliche Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft
In einer Zeit, in der vieles schneller, effizienter und wirtschaftlicher werden soll, halten wir fest am Grundsätzlichen – immer geht es um die Fürsorge. Es geht um hospizliche Haltung und palliative Versorgung für Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. Ein Abschied ist nicht nur ein Ende. Es sind auch viele Momente der Erinnerung und Dankbarkeit, Geschenke, die uns das Leben gemacht hat. Wenn Menschen auf ihr Leben zurückblicken, geht es selten um Erfolge und Besitz. Sie sprechen über Begegnungen, Beziehungen und gemeinsame Zeiten in der Familie und mit Freunden. Aber auch nicht gelöste Konflikte, Versäumtes und Wünsche benötigen einen wachsamen Blick. Dazu braucht es Vertrauen in Menschen in der unmittelbaren Umgebung. Wir bemühen uns immer wieder, mit Angeboten einer ganzheitlichen Betreuung Schmerzen auf vielen Ebenen zu begegnen und sie zu lindern. Oft werden wir unbewusst zu Hüter*innen von Lebensgeschichten und Begleitungen. Wenn nahestehende Menschen sterben, gerät die innere Ordnung vieler ins Wanken. Mit ihr gehen oft Herkunft, Geborgenheit und ein Stück Identität verloren. Wir bemühen uns, Brücken zu bauen zwischen Erinnern und Weitergehen, zwischen Abschied und Aufbruch. Die nachstehenden Beiträge und Lebenssituationen spiegeln diese Gedanken wider.
Auch als Organisation stehen wir stets aufs Neue vor unbekannten Situationen, auch wir befinden uns immer wieder zwischen Abschied von Altem und Aufbruch ins Neue: gesellschaftliche Veränderungen, neue Versorgungsstrukturen, wachsender Bedarf an Unterstützung und die individuellen Bedürfnisse nach Schutz und Geborgenheit. Ich sehe diese stete Spannung auch als Geschenk, das Mut macht, um immer wieder aufzubrechen zu neuen „Ufern“ und zu ganz persönlichen Entwicklungen.