Mit dem „Denkmal für Schnee“ auf einem namenlosen Gipfel im Gebiet des Glungezers hat die Tiroler Künstlerin Esther Strauß einen poetischen Beitrag zur Klimakrise geschaffen. Die Tiroler Künstlerin Esther Strauß, Hauptpreisträgerin des RLB Kunstpreises 2024, hat auf einer unbenannten Bergspitze zwischen Glungezer und Gamslahnerspitze einen Schriftzug aus drei Worten realisiert: „Denkmal für Schnee“.

Foto: Vurore
Kunstinstallation „Denkmal für Schnee“
Das „Denkmal für Schnee“ ist eine Kunstinstallation der Tiroler Künstlerin Esther Strauß in den Tuxer Alpen, die sie als Hauptpreisträgerin des RLB Kunstpreises 2024 in Kooperation mit der RLB Tirol AG und den Tiroler Landesmuseen realisiert hat. Eine Wanderkarte, die den Aufstieg zum Glungezergipfel und weiter über einen schwarzen Bergweg zum „Denkmal für Schnee“ beschreibt, gehört ebenso zum Kunstwerk wie eine Audioführung in sechs Stationen, die Forschungsergebnisse zum Klimawandel vermittelt und vom Schnee und seiner Vergänglichkeit erzählt. Mit diesem poetischen Beitrag fragt die Künstlerin danach, wie wir der Klimakrise begegnen wollen und was das langsame Verschwinden des Schnees in uns auslöst.
Auf fast 2.700 Metern Höhe erinnert nun das „Denkmal für Schnee“ an einen Verlust, noch bevor dieser vollends eingetreten ist.
Nach einer gemeinsamen Bergtour mit Expert*innen aus unterschiedlichen Fachgebieten zum Denkmal für Schnee fand zur Eröffnung im Gasthof Halsmarter ein Gespräch mit Esther Strauß und der Leiterin der Kontaktstelle Trauer, Maria Streli-Wolf, satt.

Foto: TLM_Fritz
Feierten die Eröffnung von „Denkmal für Schnee“ im Alpengasthof Halsmarter am Glungezer: Romed Giner,
1. Vorsitzender der Sektion Hall in Tirol des Österreichischen Alpenvereins, Martin Wegscheider, Bürgermeister von Tulfes, die Künstlerin Esther Strauß, Vorstandsvorsitzender RLB Tirol AG Thomas Wass, Leiterin Kontakstelle Trauer Maria Streli-Wolf, Silvia Höller, Leiterin der Kunstbrücke, und Kuratorin Rosanna Dematté (v. li.).
Kann oder soll man den Klimawandel beweinen?
Zum Gesamtkunstwerk „Denkmal für Schnee“ gehört auch eine sechsteilige Audioführung. Die Audiostationen befinden sich entlang des Weges zwischen der Bergstation Tulfein (2.056 m) und dem Glungezergipfel (2.677 m). Die Hörstationen sind mit einem QR-Code ausgestattet, über den die Audiotexte abrufbar sind: „Ausgehend von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, laden die Audiotexte dazu ein, nachzuspüren, was die Klimakrise mit unserer Seele macht.
Die Wanderung zum ,Denkmal für Schnee‘ gibt die Gelegenheit, miteinander am Weg und im Gespräch zu sein“, erklärt die Künstlerin und ergänzt: „Vor allem handeln die Audiotexte von „ecological grief“, der ökologischen Trauer bzw. Umwelttrauer. Im Fokus steht dabei die Performativität von Trauer, die in Bezug auf die Klimakrise auch eine Chance bereithält.“ Esther Strauß schrieb die Audiotexte ausgehend von Gesprächen mit den Expert*innen Georg Kaser (Klimaforscher), Maria Streli-Wolf (Trauerbegleiterin), Harald Schellander (Meteorologe GeoSphere Austria) und Evelyn Kustatscher (Paläobotanikerin und Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen).
Wie können wir mit Verlusten, die die Klimakrise bringt, umgehen?
Montiert ist die Kunstinstallation auf einer namenlosen Bergspitze nahe des Glungezers, ihr Titel „Denkmal für Schnee“ bezieht sich auf ein gleichnamige Gedicht von Helwig Brunner. Esther Strauß‘ künstlerische Arbeit erinnert an etwas, das vielerorts bereits selten geworden ist: Schnee.
Das „Denkmal für Schnee“ fragt, wie wir mit den Verlusten umgehen können, die die Klimakrise mit sich bringt: „Die drei Worte ,Denkmal für Schnee‘ verwandeln den Berg in einen Sockel. An seinem höchsten Punkt mag irgendwann – an einem Tag, der sich erahnen, aber nicht vorhersagen lässt – der letzte Schnee schmelzen, der auf diese Spitze fällt. Was bedeutet uns sein Verschwinden?“, stellt die Künstlerin Esther Strauß die zentrale Frage.
Fakten zum Klimawandel
Von Wissenschaftler*innen wird die Klimakrise in den Alpen seit Jahrzehnten anhand der Gletscherschmelze dokumentiert. Zwischen 1969 und 2015 gingen in Österreich 40 Prozent aller Gletscher verloren – in wenigen Jahrzehnten werden sie vollständig verschwunden sein. Aber auch der Schnee wird weniger. Als die Glungezer Hütte 1932/33 als Starthütte für die erste FIS-Ski-Weltmeisterschaft errichtet wurde, führte ihre später legendär gewordene Abfahrt über 16 Kilometer hinunter bis zur Karlskirche ins Inntal. Heute ist diese Strecke nur sehr selten in voller Länge mit Schnee bedeckt.
Vom Wissen ins begreifen, betrauern und handeln
„Wir wissen, dass die Klimakrise durch Menschen verursacht ist. Trotzdem fällt es vielen von uns – auch mir – schwer, nach diesem Wissen zu handeln. Wieso? Vielleicht kann uns die Trauer um das, was wir verloren haben und was wir noch verlieren werden, dabei helfen, vom Wissen ins Begreifen und schließlich ins Handeln zu kommen.

Foto: Esther Strauß
Vielleicht kommt ein Denkmal, das einen Verlust betrauert, der noch nicht vollends eingetreten ist, gerade noch zur rechten Zeit. Und vielleicht kann uns ein Denkmal, das aus der Zukunft zu uns kommt, helfen, die Zukunft neu zu schreiben“, sagt Esther Strauß. Denn meist erinnern Denkmäler an Menschen, Ereignisse oder Dinge, die bereits vergangen sind.
https://www.tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/denkmal-fuer-schnee/
https://estherstrauss.info/