An die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, liebes Hospizteam
Ich habe in der Sonnenblume Ihren Bericht über ALS gelesen. Ich schätze Ihre Einrichtung und bin ein Förderer mit kleinen Beträgen. Meine Frau war ebenfalls Leidtragende dieser neurologischen Muskelerkrankung. Diese meine Zeilen können Sie für eine der nächsten Sonnenblumen gerne verwenden.
Anfang des Jahres 2024 waren meine Frau, unsere Tochter Claudia und ich im Inntalcenter unterwegs. Meine Frau ging vor mir. Plötzlich blieb sie knapp vor der Rolltreppe stehen und sagte, dass ihr der linke Fuß nicht mehr gehorche und dass sie kein Gefühl im Bein habe. Wir waren alle sehr erschrocken. Wenn sie einen Schritt gemacht hätte, wäre sie auf die Rolltreppe gestürzt.
Wir haben sie beruhigt und einen Besuch beim Internisten vereinbart. Die Untersuchung hat ergeben, dass dieser Vorfall eine Nervensache sei. Er hat eine Überweisung an das Krankenhaus Kufstein veranlasst. Dort haben die weiteren Untersuchungen ergeben, dass meine Frau an der unheilbaren Krankheit Amyothrophe Lateralsklerose, kurz ALS*, leidet. Meine Kinder, Sohn Stephan und Tochter Claudia, waren vor Ort und haben diese Aussage mitbekommen.
Der Leidensweg hat sich langsam, aber stetig fortgesetzt. Gefühlsmanko an Händen und Füßen, Schluckprobleme und körperlicher Abbau, welcher in der Folge Rollator und entsprechende Betreuung durch das Palliativteam vor Ort mit sich brachte. Mit dem Hinweis, dass die Lebenserwartung massiv eingeschränkt ist, wurde dies mittels Medikamenten und Therapien erträglicher gemacht.
Wir haben versucht, diesen Leidensweg so erträglich wie möglich zu machen. Die letzten Tage im Krankenhaus waren wir voller Hoffnung, dass bei der nächsten Untersuchung keine Verschlechterung eintritt. Wir haben die schönen Tage im Park genossen und sie hat sich wohl gefühlt, im Beisein ihrer Familie. Am letzten Tag sind ihre Enkelkinder, Anna und Klara, zu Besuch gekommen, das hat ihr gutgetan.
Am Nachmittag des 6. August 2024 fand die erwähnte Untersuchung satt. Das Ergebnis: Der Primar und die Krankenschwestern teilten uns mit, dass die Laborwerte sehr schlecht und die Lungenfunktion stark beeinträchtigt seien. Er sprach meine Frau an und sagte, dass sie die Nacht wohl nicht überleben werde. Wir waren alle geschockt und erschüttert von dieser Aussage.
Meine Frau war sehr gefasst und das Gefühl machte sich breit, dass man nun weiß, was los ist. Ihrem Wunsch, ihren Betreuungspfarrer aus Wörgl zu bitten, ihr die letzte Ölung zu geben und mit uns allen ein tröstliches Gespräch zu führen, kamen wir natürlich nach.
Sie ist dann immer stiller geworden, bekam noch eine Morphiumspritze zur Entspannung und ist um 22 Uhr friedlich verstorben.
In Trauer
Gottfried
* ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, ist eine seltene, fortschreitende und nicht heilbare neurodegenerative Erkrankung, die motorische Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark schädigt. Dies führt zu Muskelschwäche, Muskelschwund und fortschreitenden Lähmungen, die sich auf Skelettmuskulatur, Sprech-, Schluck- und Atemmuskulatur auswirken können.