Tagebuch

Archiv: soziales-engagement

Aufmerksamkeit des Herzens

21. Februar 2011 | von

"Wenn Herz und Verstand zusammentreffen, wandelt sich der Geist und aus Beruf wird Berufung." Marina Baldauf

Marina Baldauf (Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft) hielt anlässlich der feierlichen Verleihung der Ehrenzeichen des Landes Tirol, am Sonntag, 20. Februar 2011, eine Dankesrede im Namen aller zwölf Geehrten.

Ihre Rede können Sie im Folgenden nachlesen:

„Hohe Geistlichkeit, sehr geehrter Herr Bischof, sehr geehrte Landeshauptleute, werte Mitglieder der Landesregierung, sehr geehrter Herr Präs. Des Landtages, werte Bürgermeisterin und liebe Ausgezeichnete und Festgäste!

Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, um die Verleihung dieses Ehrenzeichens mit uns zu feiern.

Dankbarkeit und Freude, dass wir diese Gefühle  empfinden, wird niemanden überraschen.

Diese Art der Wertschätzung bezieht sich nicht nur auf die vollbrachte Leistung der jeweiligen Person, sondern immer auf den ganzen in Beziehung stehenden Menschen. Es ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und Anerkennung und drückt sich aus  im Zugewandt sein. Jemandem aufrichtig zugewandt sein heißt, sein Gegenüber mit seinen Stärken und Schwächen wahr zu nehmen.

Die Sprache, hin und wieder aber auch die Sprachlosigkeit können dabei eine wichtige Brückenfunktion sein. Das ist ein hoher Wert, denn wir bewegen uns in einer leistungsorientierten, schnelllebigen Zeit,   von Kurzinformationen und tendenziösen Blitzlichtern beeinflusst.

Ich erlebe dies oft in unserer Arbeit der THG, wie wichtig es ist, die ganz persönlichen Ängste und Nöte schwerstkranker und sterbender Menschen zu hören und sich darauf einzulassen. In dieser letzten Lebensphase, und die steht uns allen einmal bevor, ist für die Kommerzialisierung menschlicher Bedürfnisse kein Platz mehr.

Es gehört ein  ganz persönliches Inne- und Werthalten dazu. Neben aller hochwertigster Professionalität und Kompetenz  in der Wissenschaft und Forschung, im Sport, in der Bildung, in der Wirtschaft, in Kunst und Kultur und im kirchlichen und sozialen Bereich, stellvertretende Persönlichkeiten sind ja heute hier ausgezeichnet worden, braucht es diesen emotionellen Beziehungsbogen zwischen dem ICH und dem DU zum WIR. Ich möchte das mit Herzensbildung oder einfach als die Aufmerksamkeit des Herzens beschreiben.

Sie ist wichtiger denn je, wenn wir unserer  flachen, auf Wohlstand ausgerichteten und gesättigten Gesellschaft die entsprechende Lebendigkeit zukommen lassen wollen.

Wenn Herz und Verstand zusammentreffen, wandelt sich der Geist und aus Beruf wird Berufung. Der damit verbundene hohe Einsatz findet sich bei allen heute Geehrten wieder.

Es braucht Zivilcourage und engagiertes Handel um unserer eigenen Trägheit und Mutlosigkeit zu entfliehen. Die Neugierde wird uns als Urkraft beflügeln.

Gerade jetzt im Jahr der Freiwilligkeit, sollte dieser Motor einer Gesellschaft zum Anspringen gebracht werden. Viele Initiativen werden vermutlich in diesem Jahr aus dem Boden wachsen und ich hoffe, dass es uns gelingen wird, diese frei werdende Energie zu bündeln und zukünftig bestmöglich und verantwortlich einzusetzen. Dazu braucht es mit Sicherheit eine kraftvolle Bürgerinitiative, neben aller politischen und öffentlichen Unterstützung.

Organisiertes freiwilliges Engagement auf allen Ebenen, gerade durch die demografische Entwicklung,  werden wir zukünftig dringende benötigen. Dazu gehört  auch, wie eingangs erwähnt, eine Kultur der Wertschätzung und des Dankens aber auch des Gemeinsinns und nicht der Ausgrenzung.

Die Haltung des Gemeinsinns wurzelt in der Sozialität des Individuums. Die Erfahrung, nicht als autonomes Einzelwesen zu leben, sondern sich im Raum von Gemeinschaften und Kulturen zu entwickeln und zu entfalten, ist für jeden Menschen elementar und existenziell.

Das sollte wieder stärker in unser Bewusstsein rücken und uns mit Lebensvertrauen und Mut, gerade in konfliktreichen Zeiten,  in die Zukunft gehen lassen.

Nicht der monotone Klang des kollektiven „JA Sagens“ sollte unsere Begleitmusik sein, sondern der wachsame und klare Blick nach vorne im Sinne der Menschlichkeit.

Dietrich Bonhoeffer, im KZ 1945 hingerichtet, aufgrund seiner Tätigkeit im Widerstand, beschreibt dieses Vertrauen ins Leben und um seine Endlichkeit wissend mit folgenden Zeilen:

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Marina Baldauf, 20. Februar 2011

Weitere Informationen zur Verleihung des Ehrenzeichens des Landes Tirols finden Sie hier!

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Marina Baldauf erhält Ehrenzeichen des Landes Tirol

21. Februar 2011 | von  | 2 Kommentare

Marina Baldauf (mitte) bei der Überreichung des Ehrenzeichens des Landes Tirol durch LH Günther Platter (links) und LH Luis Durnwalder (rechts).

Im Rahmen eines Festaktes verliehen am Sonntag, 20. Februar 2011, LH Günther Platter und LH Luis Durnwalder die Ehrenzeichen des Landes Tirol an zwölf Bürgerinnen und Bürger aus Tirol und Südtirol, die sich in besonderer Weise verdient gemacht haben. Der Feier im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg wohnten zahlreiche geladene Ehrengäste bei.

Im Folgenden die Laudatio zu Ehren von Marina Baldauf im Wortlaut:

„Die Tiroler Landesregierung hat Frau Marina Baldauf, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, das Ehrenzeichen des Landes Tirol verliehen.

Krankheit und Sterben sind Themen, die in der Welt des 21. Jahrhunderts zumeist ausgeblendet werden. Der Umgang mit dem für alle Menschen unausweichlichen Ende des Lebens ist stark vom Wunsch nach Verdrängen geprägt. Doch es gibt auch Menschen, die sich ganz bewusst für eine andere Haltung entscheiden. Die heute zu ehrende Frau Marina Baldauf hat eine solche Entscheidung bereits vor vielen Jahren getroffen, als sie sich in den Dienst der „Tiroler Hospiz-Gemeinschaft“ stellte. Fast seit der Gründung dieses Vereins im Jahr 1992 arbeitet sie seither ehrenamtlich und mit hohem persönlichen Einsatz für die Weiterentwicklung dieser Idee in Tirol.

Die Hospiz-Bewegung hat sich zur Aufgabe gemacht, schwerst kranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen begleitend zur Seite zu stehen. Der Mensch und seine ganz individuellen Bedürfnisse stehen dabei stets im Mittelpunkt. Ziel ist es, trotz schwerer oder unheilbarer Krankheit ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität zu erhalten. Dies gelingt einerseits durch die Anwendung moderner Schmerztherapien, andererseits wird aber vor allem der Wert menschlicher Zuwendung gepflegt.

Marina Baldauf, seit 2002 Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, setzte sich stets dafür ein, durch die Sorge um das ganzheitliche Wohl schwer kranker Menschen dazu beizutragen, ihnen ein erfülltes Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Vor allem der Ausbau des Ehrenamtes war ihr dabei ein bedeutendes Anliegen, in diesem Zusammenhang genießt die engagierte Frau auch als langjährige Beraterin des Caritasdirektors hohe Wertschätzung.

Marina Baldauf hat selbst den Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen absolviert und sehr viele Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Sie konnte dabei ihre Überzeugung leben, Trauer und Schmerzen genügend Raum zu geben, aber auch die Fülle des Lebens in der letzten Phase des Übergangs erlebbar zu machen. Für ihren langjährigen Einsatz und ihre damit verbundenen Verdienste um das Sozialwesen erhält Marina Baldauf heute das Ehrenzeichen des Landes Tirol.“

Foto: Land Tirol/Mück

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