Tagebuch

Archiv: physiotherapie

Stimmen aus dem Hospiz – Bettina Knoflach

29. Juli 2021 | von

Ich war gerade auf dem Weg zu einer Patientin, um mir ihr rechtes Handgelenk anzuschauen. Das Zimmer war leer und ich fand die nette ältere Dame am Tisch im Aufenthaltsbereich, wo sie gerade aus voller Kehle mit einigen anderen Patientinnen zu den Gitarrenklängen unseres Seelsorgers sang.

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Nicht zum Reden da …? – Die Hospiz- und Palliativstation

27. Mai 2013 | von  | 9 Kommentare

„Als ich noch Physiotherapeutin auf einer neurologischen Station war, kam ich ins Zimmer zu einem Mann, der einen Schlaganfall hatte. Der Mann lag im Bett und weinte“, erzählt Stefanie Gläser. Er war mit seiner Situation vollkommen überfordert. „Ich setzte mich zu dem Patienten ans Bett und hörte ihm einfach zu. Nachdem er seiner Traurigkeit und seiner Wut Luft gemacht hatte, war er soweit, mit mir zur Therapie zu kommen. Später wurde mir von einem Kollegen gesagt, dass wir Physiotherapeutinnen nicht zum Reden da sind.“

Am richtigen Ort angekommen

Stefanie Gläser ist seit Mai vergangenen Jahres Physiotherapeutin auf der Hospiz- und Palliativstation. Seit sie dort arbeitet, hat sie das Gefühl, richtig angekommen zu sein, weil es „hier nicht nur um das Körperliche geht. Jetzt kann ich mein Verständnis von Physiotherapie, nämlich den Menschen in seiner Ganzheit wahrzunehmen, voll und ganz verwirklichen“, meint Stefanie Gläser. Wenn jemand ein einschneidendes Erlebnis hat oder nicht mehr lange zu leben hat, kann man nicht mehr nur nach Normen oder einheitlichen Standards arbeiten. „Die Ziele müssen hier im Hospiz immer flexibel an den Menschen, seine Bedürfnisse und seine Tagesverfassung angepasst werden. Diese können sich auch schnell wieder ändern. Es geht nicht darum, wie viel Grad das Knie wieder gebeugt werden kann“, erzählt die leidenschaftliche Physiotherapeutin, „es geht hier meist um existenzielle Ziele: Schmerzlinderung, Mobilität, um beispielsweise selbständig auf die Toilette gehen zu können, ein paar Schritte alleine zu machen oder auch um sich abends mit Freunden zum Kartenspielen treffen zu können.“

Mit Leidenschaft für den Menschen

Was für andere belastend ist, weckt in ihr die Begeisterung für ihren Beruf. „Wenn ich mit schweren oder existenziellen Themen zu tun habe, dann wächst in mir die Leidenschaft, mich mit meiner ganzen Person auf mein Gegenüber einzulassen und mit meinen Erfahrungen und Kenntnissen den Patienten zu helfen.“

Über die Hospiz- und Palliativstation:

Auf der Hospiz- und Palliativstation mit 14 Betten in Innsbruck werden Schmerzen und andere Symptome wie Übelkeit oder Atemnot mit den Mitteln moderner Palliativmedizin und -pflege behandelt. Im Zentrum des Tuns steht das Wohl des ganzen Menschen. Das heißt, der Mensch wird mit seinen physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen begleitet.

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Unheilbar und rasch fortschreitend: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

20. Januar 2010 | von  | 2 Kommentare

Herausforderung für Medizin und Physiotherapie … und natürlich für die PatientInnen

Es ist eine seltene Erkrankung, deren Gründe unbekannt sind und deren Verlauf man so gut wie nicht beeinflussen kann. So umriss der Neurologe Prof. Dr. Wolfgang Löscher die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) in seinem Vortrag beim Palliativforum am 14. Jänner 2010. ALS ist eine fortschreitende Erkrankung des motorischen Nervensystems. „Es gibt kaum nachweisbare Zusammenhänge, die Rückschlüsse auf die Entstehung der Krankheit zulassen würden“, erklärte Löscher. Auffallend oft seien sehr sportliche Menschen davon betroffen und – etwas kurios – meistens seien es ganz besonders nette, freundliche Menschen, die mit ihrer Erkrankung erstaunlich gut umgehen könnten.

Wolfgang Löscher: „ALS ist nicht therapierbar, trotzdem kann man einiges für die Betroffenen tun.“

Wolfgang Löscher: „ALS ist nicht therapierbar, trotzdem kann man einiges für die Betroffenen tun.“

„Ein typisches Symptom ist der Muskelschwund, allerdings kann er an verschiedenen Stellen des Körpers anfangen. Ein Problem ist, dass es keinen diagnostischen Test gibt, mit dem wir ALS feststellen können. Die Diagnose erfolgt eigentlich durch das Ausschließen anderer Erkrankungen“ erklärte Wolfgang Löscher.

Entlastung durch Physiotherapie

In zahlreichen Studien wurden bereits verschiedene Arzneimittel getestet, doch bislang gibt es kein Medikament, das zu einer Besserung des Krankheitsbildes beiträgt. Das heißt aber keineswegs, dass man nichts für die PatientInnen tun kann. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Lebensqualität der Erkrankten länger zu erhalten bzw. zu verbessern. Eine entscheidende Rolle spielt dabei neben der Medizin die Physiotherapie. Das zeigte in ihrem Vortrag beim Palliativforum die Physiotherapeutin Doris Drechsler-Schuß anhand von zahlreichen Beispielen auf: „Durch den Muskelschwund kommt es zu einer Kompensation, das heißt dass andere Muskelpartien stärker beansprucht werden als normal.“ Das könne zu Überlastung und Schmerzen führen – gezielte Physiotherapie könne hier Linderung bringen.

Die Referentin Doris Drechsler-Schuß (re.) und Elisabeth Medicus, die den Abend moderierte

Die Referentin Doris Drechsler-Schuß (re.) und Elisabeth Medicus, die den Abend moderierte

Den Krankheitsverlauf akzeptieren

Eine große Aufgabe, sowohl für die Erkrankten als auch für die TherapeutInnen, ist das Akzeptieren der Krankheit und ihres mitunter sehr schnellen Fortschreitens. „Das ist auch für mich als Therapeutin nicht immer einfach, damit muss man erst einmal klar kommen, um dann entsprechend mit den Betroffenen arbeiten zu können“ erzählte Doris Drechsler-Schuß. Keinesfalls dürfe man die PatientInnen überfordern, also über ihre Belastungsgrenze gehen – das würde zu Verschlechterung führen.

Gut angepasste Hilfsmittel für den Alltag, wie etwa ein Rollstuhl, sollen genau dem entgegen wirken: „Die PatientInnen müssen gut mit ihren Kräften haushalten.“

Jede Berufsgruppe kann ihren Beitrag leisten

Der Neurologe Wolfgang Löscher erwähnte in seinem Vortrag ein Ergebnis wissenschaftlicher Studien, die Behandlungserfolge bei ALS untersucht haben: „Es ist klar ersichtlich, dass Patientinnen und Patienten, die interdisziplinär und spezialisiert betreut werden, deutlich länger leben als jene, denen nicht das gesamte therapeutische Angebot zur Verfügung steht.“ Neben Medizin und Physiotherapie seien auch Logopädie, Sozialarbeit, Psychologie, Ernährungsberatung und andere Maßnahmen sehr hilfreich, vor allem wenn die einzelnen Berufsgruppen gut zusammenarbeiten.

palliativforum_jan1

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