Tagebuch

Archiv: begleiten

Der Wert des Lebens – Neue Ausgabe der "Sonnenblume" erschienen

27. Januar 2011 | von

„Frage nich mehr nach dem Wert des Lebens, sondern nach dem Wert, den du deinem Leben geben kannst.“ Bo Yin Ra

Die Jänner Ausgabe der „Sonnenblume – Zeitschrift der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft“ ist erschienen.

Aus dem Inhalt:

  • Aus Liebe zu den Menschen – Rückblick auf elf Jahre ehrenamtliche Hospizbegleitung
  • Gemeinsam im Boot der Trauer … – … ein Licht entzünden
  • „Ein Stück des Weges mitgehen und sich dann wieder abgrenzen“ – Hospizbegleitung: professionell ehrenamtlich
  • Denkanstöße, Weiterbildung, Diskussionen – in Innsbruck, Imst und Zirl
  • Wir alle sind „Hospiz“! – 2.300 Tirolerinnen und Tiroler sind fördernde Mitglieder der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Spiritual Care – Vom Geist (der Haltung), sich das Leben zu nehmen

12. Januar 2011 | von

"Wir werden oft aufgefordert den Tag so zu leben als ob es unser letzter wäre. Ich tendiere mehr zu der Einstellung, den Tag so zu leben, als ob es der erste Tag für den Rest meines Lebens wäre." Norbert Schletterer

Bei dieser Haltung handelt es sich weder um eine Euthanasieanleitung noch um eine Aufforderung zum Selbstmord! Es ist eine in Worte gefasste Haltung, unser Leben nicht nur zu betrachten, sondern anzuerkennen und anzunehmen.

In der Betrachtung unseres Lebens sind wir oft verleitet unser momentanes Leben zu vergleichen.

Wir nehmen unser derzeitiges Leben als Referenzpunkt und begeben uns in die Trauer /Erleichterung über Vergangenes/Überstandenes oder in eine Welt der Wünsche und Erwartungen von Zukünftigem.

Ungelebtes und aufgeschobenes Leben

Und dabei hätten wir in der Begleitung von schwerkranken Menschen so oft die Gelegenheit der Beobachtung von ungelebtem und aufgeschobenem Leben (der 60 jährige Tumorpatient, der sein Leben auf die Pension aufsparen wollte, …), oder aus dem Akzeptieren eines allzu kurzen Therapieerfolges („… aber in meinem letzten Dienst habe ich Fr. Mair ja noch mobilisieren können?“) zu lernen.

Voraussetzung um sich das Leben nehmen zu können, ist wohl die primäre Annahme eigener Lebensanteile.

Trennung zwischen Sterbenden und Lebenden

Manchmal habe ich in Besprechungen über Patienten den Eindruck als ob es eine Trennung, eine Seite der Sterbenden und eine der Lebenden, geben würde. Das Sterben ist jedoch so wie die Geburt ein ganz konkreter und unmittelbarer Lebensanteil/Lebensbestandteil. Eigentlich bräuchten wir uns darum nicht zu sorgen, da wir diesen Bestandteil ja seit Beginn in uns mittragen. Das wiederum würde aber auch bedeuten, dass wir uns alle (Lebende und Sterbende) immer noch in diesem, uns ureigenen Lebensstrom (ver-) be-finden.

In weiterer Folge bedeutet daher, sich das Leben zu nehmen, es sich auch in der Begleitung von kranken Menschen nehmen zu können. Ich beobachte oft Situationen wo Patienten mit Freude wahrnehmen, wenn auch Pflegende auf ihre Bedürfnisse hinweisen und dadurch vermittelt bekommen, dass auch Betreuende die Fähigkeit haben auf sich zu schauen – sich das Leben zu nehmen.

Grenzenloses Kümmern und Sorgen

Gerade in emotional und gesellschaftlich so hoch wertgeschätzten Bereichen wie der Hospizarbeit, besteht leicht Gefahr, dass das grenzenlose Kümmern und Sorgen um die Lebensqualität der Patienten zum Ersatz der eigenen ungelebten Lebensanteile wird. Eigene Lebensanteile nicht zu leben, sie zurückzuweisen, nützt jedoch einem anderem Menschen, dem es derzeit nicht so gut geht, nichts.

Wir werden oft aufgefordert den Tag so zu leben als ob es unser letzter wäre. Ich tendiere mehr zu der Einstellung, den Tag so zu leben, als ob es der erste Tag für den Rest meines Lebens wäre.

Sich das Leben zu nehmen, als ob es das erste Mal wäre.

Das Leben zu nehmen ist das Standbein für die Haltung des Bei-Leid (darüber im Februar).

Und so wünsche ich allen LeserInnen im neuen Jahr, den Geist sich das Leben zu nehmen und es sich in Fülle zu nehmen. Um dadurch „Lebens-Mittel“ zu sein für andere.

Norbert Schletterer

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Wir sagen Danke! – Lions Silberlöwe

24. November 2010 | von

Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft erhielt den Lions Silberlöwen 2010 des Lions Club Schwaz und der Stadt Schwaz und freut sich über die großzügige Unterstützung der Hospizgruppe Schwaz & Umgebung!

Marina Baldauf bedankte sich im Namen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Im Bild: Präsident Franz Baumgartner, Marina Baldauf, Martin Schwarz Fotos: Hörhager

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Das Tröstliche eines Zufluchtsortes

18. November 2010 | von

„Die Betreuung sterbender Menschen zu Hause ist enorm wichtig.“ Dr. Barbara Achammer

Der Hospiz-Gedanke hat für mich etwas sehr Tröstliches. Es gibt einen Zufluchtsort und Hilfe, wenn sonst niemand mehr etwas tun kann. Daher unterstütze ich die segensreiche Initiative der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft seit vielen Jahren.

Mehr als zwei Drittel aller Tirolerinnen und Tiroler wünschen sich, daheim sterben zu können, doch für viele ist es nicht möglich. Wir versuchen, diese Lücke mit unseren Angeboten zu schließen. Im letzten Jahr konnten wir mit der Bausteinaktion „Das Mobile Bett“ unsere mobile Hospiz- und Palliativbetreuung, die zum Großteil aus Spendengeldern finanziert wird, für ein weiteres Jahr absichern. Dank Ihrer Unterstützung konnten auch 2010 schwer kranke Menschen im Großraum Innsbruck, über viele Tage und Wochen vom mobilen Hospiz- und Palliativteam begleitet, ihre letzte Lebensphase daheim verbringen. Dafür möchte ich Ihnen allen von Herzen danken!

Das „Mobile Hospiz-Bett“ soll auch 2011 in diesem Umfang angeboten werden können. Nach wie vor ist dies nur mit Ihrer Hilfe möglich. Bitte, setzen Sie auch heuer wieder mit uns ein Zeichen der Unterstützung dieses so wichtigen Anliegens vieler Tirolerinnen und Tiroler. Danke!

Dr. Barbara Achammer
Vorstand, Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Ein bunter Vogel, der Freiheit schenkt

16. November 2010 | von

Fünf Jahre lang betreute Gertraud Vittur ihren 97-jährigen Mann Leo ganz alleine. Weil sie nicht auf die Idee kam, um Hilfe zu bitten.

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Nur hinzugehen zum Marterle … – Über ein Wegkreuz

4. Oktober 2010 | von
Ein Wegkreuz

„Da brauchst nur hinzugehen zum Marterle – zum Wegkreuz – und an mich denken.“ Herr S.

Ein Tag im Dezember 2009: Ich besuche Herrn S. (60) in seinem Zimmer auf der Hospiz- und Palliativstation in Innsbruck. Ich stelle mich als Seelsorger vor. Gleich und forsch gibt er mir zu verstehen: „Ich brauch koan Pfoarer, koa Kirchn, koanen frommen Kirchenweiber. I hob mei Marterele. Da geh i hin, wenns mi daloadet“. „Marterle?“, frage ich nach, „ist das nicht ein Ort in Kärnten?“ und tappe mit dieser Frage in ein weiteres Fettnäpfchen. „Nein, Pfoara, du hast wirklich keine Ahnung. Des Marterle, des isch a Wegkreuz zwischen Solsteinhaus und der Magdeburger Hütte.“

Das Marterle – ein Wegkreuz – als Schlüsselwort

Eine unglückliche, erste Begegnung. Ich ließ mich nicht entmutigen und suchte Herrn S. erneut auf. Das besagte Marterle wurde zum Schlüsselwort oder, anderes gesagt, zum Aufhänger für unsere weiteren Begegnungen. Ich bat Herrn S., mir von diesem Marterle zu erzählen. Er berichtete mir von seinem Vater, der, vom Krieg verletzt und verwundet, von seinen Kameraden zu diesem Marterle hingetragen worden war. Tage später zeigte er mir ein Foto, das ihn und seine Schwester zusammen mit seinen Eltern vor diesem Marterle zeigte. „Wenn I amol stirbt“, sagte er mir ein anderes Mal, „brauchst nicht für mich zu beten. Da brauchst nur hin zu gehen zum Marterle und an mich denken.“

Einkehr in seinem Zimmer

Herr S. hatte Lungenkrebs und brauchte ständig Sauerstoff. Jeden Abend, bevor ich die Station verließ, kehrte ich in seinem Zimmer nochmals ein. Er lud mich auf einen „Klopfer“ ein, mit ihm ein kleines Fläschen „Wodka Feige“ zu trinken. Dabei ließen wir den jeweiligen Tag revu passieren, erzählten, redeten, lachten.

Sein Zustand verschlechterte sich. Es war ein Freitag. Die für ihn zuständige Schwester meinte, sie habe mit Herrn S. über seinen kritischen Zustand, das bevorstehende Sterben gesprochen. Ich solle ihn heute früher, also vor dem Abend aufsuchen und ihn fragen, ob er etwas brauche oder ob er mir etwas sagen wolle. Herr S. rang zu diesem Zeitpunkt schon sehr nach Luft, schlief immer wieder weg. In einem wachen Moment gab er mir zu verstehen, dass er nichts von mir brauche. Ich hielt seine Hand, sagte ihm, dass ich in Gedanken nun zum Marterle ginge und fest an ihn dächte. Er schlief immer wieder weg, wachte auf. Irgendwann rutschte „Mama“ über seine Lippen. In der darauf folgenden Nacht starb er.

Das Geheimnis des Lebens berühren

„Das Geheimnis des Lebens berühren“ ist der Titel eines Buches von Erhard Weiher. Was immer man unter „Geheimnis“ versteht, für Herrn S. war gewiss das Marterle etwas, dass das „Geheimnis seines Lebens“ berührte, ein Inbegriff von Heimat, vertrauter Kindheit, ein Ort der Geborgenheit. Dieses Marterle war ihm heilig. Es verband ihn mit dem Heiligen. Und dieses Marterle, zu dem Herr S. in Gedanken immer wieder hin pilgerte, ich wage es zu schreiben, trug ihn durch die Krankheit, ins Sterben hinein.

Christian Sint, Seelsorger auf der Hospiz- und Palliativstation Innsbruck

Weiterführende Links:

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Ehrenamtliche Hospizbegleitung – Informationsabend in Innsbruck am Do, 23. September 2010

7. September 2010 | von

Ein Abend für alle Menschen, die sich für eine Tätigkeit als ehrenamtliche/r HospizbegleiterIn interessieren. MitarbeiterInnen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft informieren über die Aufgabengebiete ehrenamtlicher HospizbegleiterInnen, über die Ausbildung und über die Anforderungen, die an BewerberInnen gestellt werden.

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Mir geht es gut, davon möchte ich etwas weitergeben

16. August 2010 | von

"Die Beschäftigung mit der Endlichkeit entspannt." Thaddaeus Gotwald

Ein Irrläufer als Wegweiser

„Eigentlich weiß ich überhaupt nicht, warum ich dieses Schreiben bekam“, erzählt Thaddeus Gotwald, Radiologe an der Klinik in Innsbruck. Eines Tages lag in seinem Postfach eine Informationsbroschüre über die Ausbildung für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen in Innsbruck. Dieser Irrläufer erwies sich aber im Nachhinein als echter Glücksfall, erzählt der Mediziner. „Bei mir hat es sofort ‚Klick‘ gemacht und ich entschied mich, dabei zu sein.“

Als Arzt sei er doch vorwiegend für die medizinische Betreuung verantwortlich, die menschliche Begleitung komme manchmal zu kurz. Auf die Frage warum er sich ehrenamtlich engagieren möchte, meint Thaddeus Gotwald:“ Mir geht es gut, und davon möchte ich etwas weitergeben.“

Ein Kurs, der in die Tiefe geht

„Für mich war bereits das erste Wochenende eine echte Offenbarung. So viel Tiefe, Ehrlichkeit und Bereitschaft sich zu öffnen, habe ich noch nie erlebt. Ehrlich gesagt habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Viel abstrakter, weniger in die Tiefe gehend.“

In Anbetracht der Endlichkeit

„Meine eigene Endlichkeit ist mir jetzt viel präsenter. Ich erlebe das aber nicht als Druck oder Stress – im Gegenteil. Früher habe ich mir nie die Frage gestellt, was es bedeuten würde, wenn mein Leben in absehbarer Zeit zu Ende wäre. Die intensive Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens hat in mir das Bewusstsein geschärft, dass im Leben vieles relativ ist und das finde ich entspannend.“

Insgesamt haben 15 Personen im April die Ausbildung für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen in Innsbruck abgeschlossen. Die AbsolventInnen werden auf der Hospiz- und Palliativstation, im Mobilen Hospiz- und Palliativteam oder in den ehrenamtlichen Hospizgruppen rund um Innsbruck die Hospizbewegung weiter wachsen lassen.

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Unterstützerin: "Liebevolle Zuwendung"

2. August 2010 | von

„Ich war beeindruckt, wie man den Menschen Entscheidungen zutraute und ermöglichte und habe dabei auch persönlich viel gelernt.“

Mein Vater verbrachte einige Wochen im Hospiz. Die liebevolle Zuwendung machte dieses für ihn zu einem „Paradies auf Erden“ und ermöglichte einige positive Veränderungen in der letzten Lebenszeit.

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Einen Anker suchen

26. Juli 2010 | von

Als Seelsorger am Hospiz versuche ich da zu sein, zuzuhören und auszuhalten. Menschen erzählen mir, was sie bedrückt, in die Verzweiflung treibt, aber auch was sie trägt, was ihnen Halt gibt. Manchmal suchen wir nach einem Anker, eröffnen einen neuen Horizont.

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