Tagebuch

Archiv: abschied-nehmen

Muss man beim Sterben „loslassen“?

13. Februar 2018 | von

„Ist es wirklich Voraussetzung für ein gutes Sterben, dass man das Leben, die geliebten Menschen losgelassen hat?“ Elisabeth Medicus, ärztliche Leitung Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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„Das Beste aus den Umständen machen …“

29. Juni 2011 | von  | 1 Kommentar

Das Mobile Palliativteam mit diplomierten KrankenpflegerInnen und ÄrztInnen hilft, möglichst lange daheim bleiben zu können.

Eindrücke einer Medizinstudentin aus einem Praktikum beim Mobilen Hospiz- und Palliativteam

Lucia Buchner hat diesen Praktikumsbericht verfasst. Sie ist Medizinstudentin und machte das verpflichtende Pflegepraktikum beim Mobilen Hospiz-und Palliativteam der TirolerHospiz-Gemeinschaft.

Herr H. hat eine schwere Lungenerkrankung und ist nach zahlreichen Krankenhausaufenthalten wieder zu Hause, wo er von seiner Frau gepflegt wird. Außerdem wird er vom Mobilen Hospiz- und Palliativteam einmal wöchentlich betreut. Die 24-Stunden-Rufbereitschaft, die das Mobile

Palliativteam anbietet, gibt ihm und seiner Frau zusätzlich Sicherheit.

Trotz seiner Lungenerkrankung, die keine Hoffnung auf Besserung zulässt, ist Herr H. guter Dinge. Er lebt gerne, wie er sagt, und man müsse halt das Beste aus den Umständen machen. Die Krankheit habe er sich teilweise selbst zuzuschreiben: „Brav gfolgt ho i natürlich a nit imma“, sagt er mit einem Augenzwinkern, er war starker Raucher, bis die Sauerstoffmaske das Rauchen endgültig unmöglich machte.

Besonders wichtig ist für ihn ein Gefühl der Sicherheit: „I woa schon imma a nervösa Binggl, homb ma de Ärzte a gsogg.“ Er braucht die Medikamente und Notrufnummern griffbereit, besonders wenn seine Frau nicht da ist.

„Nur“ zum Reden da sein?

Ich spüre eine gewisse Spannung, als ich zur vereinbarten Zeit an der Haustür läute. Während das letzte Mal „etwas zu tun“ war und ich mehr oder weniger der Hospizärztin zuschaute und ein bisschen mitredete, komme ich dieses Mal „nur zum Reden“, eine Rolle, mit der ich mich oft sehr schwer getan habe. Doch das Ehepaar H. begrüßt mich gleich sehr freundlich und ich habe nicht das Gefühl zu stören.

Als Person ernst genommen

Für ihn sei das Wichtigste im Bezug auf ÄrztInnen, dass sie ihn als Person ernst nehmen. Sie sollen ihn anschauen und ihm zuhören (auch wenn bei Visiten oft nur wenig Zeit ist), und nicht nur auf ihren Laptop oder irgendwelche Listen schauen.

Der Unterschied zwischen Wissen und Fühlen

Der nächste Termin entfällt, weil es Herrn H. sehr schlecht geht, und einige Tage später bekomme ich den Anruf, dass er verstorben ist. Obwohl ich von Anfang an mit dieser Möglichkeit rechnen musste, überrascht bzw. bestürzt mich die Nachricht. Der Tod ist so endgültig, so plötzlich, für mich so wenig greifbar. Wenn ich an Herrn H. denke, sitzt er immer noch mit seiner Sauerstoffmaske auf der Couch und lächelt, erzählt …

Es gibt bei mir noch einen Unterschied zwischen Wissen und Fühlen.

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Gedanken – Alles hat seine Zeit

18. März 2011 | von  | 1 Kommentar

Sprich nicht ...

Sprich nicht von der Schönheit der Natur, wenn ein Schwerkranker,
innerlich und äußerlich gefesselt durch Einschränkungen und Schmerzen,
hilfesuchend nach deiner Hand tastet.

Sag nicht am offenen Grab: „Es ist besser so“, denn alle, die einen geliebten Menschen
verlieren, sind erst auf dem Weg zu dieser tröstenden Erkenntnis.

Berichte einem pflegebedürftigen Menschen, der in der Enge seiner Situation und
Wohnung auf deinen Besuch gewartet hat, nicht endlos von deinen frohen und schönen Erlebnissen.
Sie füllen die Zeit, aber nicht sein Herz.

Argumentiere nicht mit „Gottes Gerechtigkeit“,
wenn ein Verzweifelter immer wieder
„warum“ in die Nacht eines Schicksalsschlages schreit.
Bleib einfach schweigend an seiner Seite und erbete stellvertretend für ihn Zuversicht.

Verbreite bei dem, dessen Leben sich unaufhaltsam der Schwelle des Todes nähert,
keine Hoffnungen auf Gesundwerden.
Sie hindern den Sterbenden und die, die ihn lieben, daran,
Ja-Sagen zu lernen und
Abschied zu nehmen.

Gudrun Born

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Gemeinsam im Boot der Trauer ein Licht entzünden

4. März 2011 | von  | 1 Kommentar
Entzündete Kerzen

... bis für jeden und jede ein Licht entzündet ist.

„Das hat mich schon sehr berührt, als der Name meiner verstorbenen Schwägerin vorgelesen wurde, und meine Frau vorne beim Altar für ihre Schwester eine Kerze angezündet und sie dann in die mit Wasser gefüllte Schale gesetzt hat“, erzählt Paul Laiminger bei der Agape nach dem Gedenkgottesdienst.

Zum Gedenken an alle Verstorbenen

Alle ein bis zwei Monate hält die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft in der Kapelle des Haus Marillac einen Gedenkgottesdienst für alle Frauen und Männer, die entweder auf der Hospiz- und Palliativstation oder vom Mobilen Hospiz- und Palliativteam betreut wurden und in den vergangenen Wochen verstorben sind.

Rund 60 Angehörige folgten im vergangenen November der Einladung und versammelten sich in der bootförmigen Kapelle zum gemeinsamen Gedenken und Erinnern. Bei der Gedenkfeier wird der Name aller Verstorbenen vorgelesen und für jeden und jede wird ein eigenes Licht entzündet. Wenn Angehörige da sind, können sie das selbst tun, wenn niemand kommt, tun es Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft.

Der Trauer Raum geben

„Da spürt man erst, was es bedeutet, über den Tod hinaus begleitet und betreut zu werden“, meint Paul Laiminger. „Es hat uns gut getan, dass uns die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft auch nach dem Tod meiner Schwägerin etwas anbietet, unserer Trauer und unserem Verlust Raum zu geben und sie auch mit anderen teilen zu können.“

Die Trauer teilen

Auch für Paula Vollritsch ist der Gedenkgottesdienst eine schöne Möglichkeit zu erfahren, dass man mit einem Verlust nicht allein ist. „Wenn man da sitzt und all die anderen Menschen sieht, die auch den Verlust eines lieben Menschen verkraften müssen, dann ist man nicht mehr so auf sich selbst bezogen – und das tut gut.“

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Jahresabschiedsritual des Mobilen Teams

18. Januar 2011 | von  | 5 Kommentare

Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Mobilen Hospiz- und Palliativteams trafen sich am 12. Jänner 2011 zum Jahresabschiedsritual am Innufer in Innsbruck.

Vorbereitungsarbeiten vor dem Ritual

Am Anfang wurde gemeinsam gesungen …

… und eine kurze Einstimmung vorgelesen.

Es wurde geräuchert.

Der Name jedes Verstorbenen im Jahr 2010 wurde von den Teammitgliedern auf einen Stein geschrieben.

Die Namen wurden von den Teammitgliedern vorgelesen …

… und jeder Stein wurde einzeln dem Inn übergeben.

Als Zeichen des Abschiedes wurden auch Kerzenboote ins Wasser gesetzt …

… die sich auf ihren letzten Weg machten.

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Theatertipp: Ente, Tod und Tulpe – Theater für Kinder ab sechs Jahren

14. Januar 2011 | von

Die Ente führt ein beschauliches Leben zwischen Nest und Teich, zwischen Frühsport, Gründeln und Siesta. Doch etwas ist merkwürdig in letzter Zeit. Eines Tages taucht ein unerwarteter Gast am See auf – der Tod.

Eine Geschichte für Menschen ab sechs mit Livemusik nach dem gleichnamigen Buch von Wolf Erlbruch

Gastspiel im Tiroler Landestheater anlässlich des Welttags des Theaters für junges Publikum

 

Mit: Martina Couturier und Heiki Ikkola

Musik: Anja C. Gilles

Regie: Jörg Lehmann

Wann: Freitag, 18. März 2011, 18.00 Uhr
Wo: Kammerspiele
Karten: an der Kassa des TLTs für 8.- bzw. 10.- Euro Dauer: ca. eine Stunde

Die Ente führt ein beschauliches Leben zwischen Nest und Teich, zwischen Frühsport, Gründeln und Siesta. Doch etwas ist merkwürdig in letzter Zeit. Eines Tages taucht ein unerwarteter Gast am See auf – der Tod.

Nach dem ersten Schrecken entschließt sich die Ente zur Flucht nach vorn und lädt den Gevatter, der irgendwie auch nett ist, erst zum Gründeln, später zum Spielen ein. Beide lernen einander kennen, kommen sich näher und machen überraschende Erfahrungen. Und am Ende trägt der Tod die Ente zum großen Fluss und ist fast ein wenig betrübt… Die Geschichte einer wunderbar berührenden Freundschaft mit aller Gelassenheit und Poesie, die das Leben zu bieten hat.

Die Inszenierung „Ente, Tod und Tulpe“ wurde als eine der zehn bemerkenswertesten deutschen Kindertheater-Inszenierungen zum Festival Augenblick Mal! 2009 in Berlin eingeladen und ist Preisträger des Berliner Theaterpreises Ikarus 2009.

Presseresonanz:

„Nichts ist anfangs zu spüren von dem traurigen Thema, um das es in dem Kinderbuch “Ente, Tod und Tulpe” von Wolf Erlbruch geht. Martina Couturier und Heiki Ikkola nähern sich in seiner Umsetzung behutsam dem Thema Sterben an und machen es für Kinder ab fünf Jahren verständlich.“ (Berliner Zeitung)

„Eine der schönsten Inszenierungen der Saison.“ (Zitty)

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In der Trauer nicht allein gelassen – Dank Ihrer Hilfe!

29. Dezember 2010 | von

„In der Trauer sind wir gefordert, alle schmerzlichen Gefühle zuzulassen“, sagt Psychotherapeut und Theologe Gehard Waibel.

Im Büro in der Heiliggeiststraße läutet das Telefon. Die Freundin einer Frau, deren Ehemann vor kurzem verstorben ist, ruft an. Sie erzählt von den Nöten der Freundin und ihren eigenen Grenzen. Wie kann sie ihr helfen?

Nicht mit leeren Händen

„Es ist beruhigend für mich, dass ich bei akuten Trauersituationen auf unsere Trauergruppe oder die Trauereinzelgespräche hinweisen kann“, erzählt Beate Lottersberger, langjährige Mitarbeiterin der Hospiz-Gemeinschaft:

„Trauergruppen finden dreimal jährlich statt. Außerdem können drei kostenlose Gespräche mit einem Psychotherapeuten vereinbart werden. Diese Angebote werden sehr gerne angenommen.“ Die Trauergruppen und die Einzelgespräche werden durch Spenden finanziert.

Alle schmerzlichen Gefühle zulassen

„In der Trauer sind wir gefordert, alle schmerzlichen Gefühle zuzulassen“, sagt Psychotherapeut und Theologe Gehard Waibel. Er begleitet seit vielen Jahren Menschen in der Trauer. Freunde und Angehörige glauben oft, dass die Erinnerung an einen geliebten, aber verlorenen Menschen für die Trauernden zu schmerzlich ist. „Das Gegenteil ist aber der Fall“, meint Waibel: „Die meisten haben ein großes Bedürfnis, sich an den geliebten Menschen erinnern zu dürfen und darüber sprechen zu können. Nur so kann der verlorene Mensch zu einem inneren Begleiter werden.“

Ihre Spende schenkt Zuversicht!

Menschen in akuten Trauersituationen, die sie allein nicht bewältigen können, brauchen professionelle Unterstützung. Mit Ihrer Spende von zum Beispiel 15 EUR schenken Sie Zeit und Zuversicht! Vielen Dank!

Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie hier auf unser Homepage: www.hospiz-tirol.at!

Jetzt online Spenden!

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Ein bunter Vogel, der Freiheit schenkt

16. November 2010 | von

Fünf Jahre lang betreute Gertraud Vittur ihren 97-jährigen Mann Leo ganz alleine. Weil sie nicht auf die Idee kam, um Hilfe zu bitten.

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Der Tod als Lebensbegleiter

6. Oktober 2010 | von

„Im Angesicht des Todes ein Loblied auf das Leben singen“, möchte der Tiroler Schauspieler Ludwig Dornauer.

Anlässlich des Welthospiztages präsentieren der Tiroler Schauspieler Ludwig Dornauer und die Sängerin Eva Unger gemeinsam mit der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft eine CD.

„Oft fühle ich mich wie ein kleiner Bub, der immer noch seinen Vater sucht“, erzählt der bekannte Tiroler Schauspieler, „ORF-Tirol-Stimme“, Ludwig Dornauer. Damals, als sein Vater an einem Herzinfarkt starb, war er erst 14 Jahre alt. Unter diesem plötzlichen Verlust des Vaters leidet er noch heute. Mit 23 Jahren starb seine Schwester an Krebs, und Ludwig Dornauer ist heute noch dankbar dafür, dass die Familie die letzten vier Monate ihres Lebens, „diese intensive Endzeit“, mit ihr zu Hause verbringen konnte. Vielleicht weil er schon so früh in seinem Leben mit dem Tod und dem Sterben konfrontiert wurde, ist für ihn der Tod in gewisser Weise ständiger Begleiter: „Manchmal habe ich fast das Gefühl, der Tod beschäftigt mich mehr als das Leben.“

So ist es wohl auch kein Zufall, dass Ludwig Dornauer und die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft zusammengefunden haben. Die weltweite Hospizbewegung setzt sich dafür ein, schwer kranken Menschen ein würdevolles und möglichst schmerz- und beschwerdefreies Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Morgen, am Welthospiztag, präsentieren Ludwig Dornauer und seine musikalische Partnerin, die Sängerin Eva Unger, im ORF Kulturhaus ihre neue CD „Du und ich“, eine berührende Sammlung von Liedern und Texten über die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen.

„Es freut mich besonders, dass Eva Unger und ich unser erstes gemeinsames Projekt mit Hilfe der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft verwirklichen konnten“, sagt Ludwig Dornauer. „In der unumgänglichen Gegenwart des Todes sollen unsere Lieder und Texte ein Loblied an das Leben sein.“

Bessere Hospizversorgung am Land

„Wer wünscht sich nicht, daheim, im Kreise der Familie sein Leben beenden und sterben zu können? Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es dafür oft Hilfe braucht. Hilfe von Fachkräften, die mit den Schmerzen und Nöten sterbender Menschen einerseits professionell und anderseits liebevoll umgehen können.“

Der Aufbau einer professionellen Hospiz- und Palliativversorgung auch in den ländlichen Regionen Tirols ist dem Zillertaler für den morgigen Welthospiztag ein besonders Anliegen.

Freitag, 8. Oktober 2010
CD Präsentation: „Du und ich“

ORF Kulturhaus, Rennweg 14, Innsbruck
20.15 Uhr

Eintritt: freiwillige Spenden

Telefonische Anmeldung erforderlich unter:
0512/566 533

Die CD ist gegen eine Spende bei der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft erhältlich:
Telefon: 05 – 76 77, office@hospiz-tirol.at

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Nur hinzugehen zum Marterle … – Über ein Wegkreuz

4. Oktober 2010 | von
Ein Wegkreuz

„Da brauchst nur hinzugehen zum Marterle – zum Wegkreuz – und an mich denken.“ Herr S.

Ein Tag im Dezember 2009: Ich besuche Herrn S. (60) in seinem Zimmer auf der Hospiz- und Palliativstation in Innsbruck. Ich stelle mich als Seelsorger vor. Gleich und forsch gibt er mir zu verstehen: „Ich brauch koan Pfoarer, koa Kirchn, koanen frommen Kirchenweiber. I hob mei Marterele. Da geh i hin, wenns mi daloadet“. „Marterle?“, frage ich nach, „ist das nicht ein Ort in Kärnten?“ und tappe mit dieser Frage in ein weiteres Fettnäpfchen. „Nein, Pfoara, du hast wirklich keine Ahnung. Des Marterle, des isch a Wegkreuz zwischen Solsteinhaus und der Magdeburger Hütte.“

Das Marterle – ein Wegkreuz – als Schlüsselwort

Eine unglückliche, erste Begegnung. Ich ließ mich nicht entmutigen und suchte Herrn S. erneut auf. Das besagte Marterle wurde zum Schlüsselwort oder, anderes gesagt, zum Aufhänger für unsere weiteren Begegnungen. Ich bat Herrn S., mir von diesem Marterle zu erzählen. Er berichtete mir von seinem Vater, der, vom Krieg verletzt und verwundet, von seinen Kameraden zu diesem Marterle hingetragen worden war. Tage später zeigte er mir ein Foto, das ihn und seine Schwester zusammen mit seinen Eltern vor diesem Marterle zeigte. „Wenn I amol stirbt“, sagte er mir ein anderes Mal, „brauchst nicht für mich zu beten. Da brauchst nur hin zu gehen zum Marterle und an mich denken.“

Einkehr in seinem Zimmer

Herr S. hatte Lungenkrebs und brauchte ständig Sauerstoff. Jeden Abend, bevor ich die Station verließ, kehrte ich in seinem Zimmer nochmals ein. Er lud mich auf einen „Klopfer“ ein, mit ihm ein kleines Fläschen „Wodka Feige“ zu trinken. Dabei ließen wir den jeweiligen Tag revu passieren, erzählten, redeten, lachten.

Sein Zustand verschlechterte sich. Es war ein Freitag. Die für ihn zuständige Schwester meinte, sie habe mit Herrn S. über seinen kritischen Zustand, das bevorstehende Sterben gesprochen. Ich solle ihn heute früher, also vor dem Abend aufsuchen und ihn fragen, ob er etwas brauche oder ob er mir etwas sagen wolle. Herr S. rang zu diesem Zeitpunkt schon sehr nach Luft, schlief immer wieder weg. In einem wachen Moment gab er mir zu verstehen, dass er nichts von mir brauche. Ich hielt seine Hand, sagte ihm, dass ich in Gedanken nun zum Marterle ginge und fest an ihn dächte. Er schlief immer wieder weg, wachte auf. Irgendwann rutschte „Mama“ über seine Lippen. In der darauf folgenden Nacht starb er.

Das Geheimnis des Lebens berühren

„Das Geheimnis des Lebens berühren“ ist der Titel eines Buches von Erhard Weiher. Was immer man unter „Geheimnis“ versteht, für Herrn S. war gewiss das Marterle etwas, dass das „Geheimnis seines Lebens“ berührte, ein Inbegriff von Heimat, vertrauter Kindheit, ein Ort der Geborgenheit. Dieses Marterle war ihm heilig. Es verband ihn mit dem Heiligen. Und dieses Marterle, zu dem Herr S. in Gedanken immer wieder hin pilgerte, ich wage es zu schreiben, trug ihn durch die Krankheit, ins Sterben hinein.

Christian Sint, Seelsorger auf der Hospiz- und Palliativstation Innsbruck

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