Tagebuch

Archiv: elisabeth-zanon

Es ist vieles Gelungen, nicht alles erreicht

29. November 2012 | von  | 1 Kommentar

"Sterbende Menschen sollen jene Zuwendung und Geborgenheit erfahren, die ihnen zusteht." Elisabeth Zanon

Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft arbeitet seit 20 Jahren intensiv daran, dass sterbende Menschen in ihren letzten Tagen nicht allein gelassen werden. Zugleich erheben wir die Stimme für die Bedürfnisse der Betroffenen und machen das Sterben in der Gesellschaft zum Thema. Es ist vieles gelungen, aber bei weitem noch nicht alles erreicht. Unser Hauptaugenmerk gilt neben dem weiteren Ausbau der regionalen Versorgung dem Neubau des „Hospizhauses Tirol“.

Zwei Mitarbeiter der Hospiz-Gemeinschaft reisten vor einigen Wochen nach England und besuchten unter anderem das erste Hospiz der Welt, das St. Christophers Hospiz in London. Hier ist der Geist der Gründerin der Hospizbewegung Cicely Saunders deutlich spürbar. Der Besuch der Wurzeln der Hospizbewegung zeigte uns, dass es trotz aller Fortschritte in der Medizin und Pflege immer um das eine geht – der ganzheitlichen und liebevollen Begleitung von schwer kranken Menschen und ihrer Angehörigen. Auch der Plan der Erweiterung unseres Angebotes um ein Tageshospiz bestätigte sich in England, hier wissen wir uns auf einem sehr guten Weg.

Wir legen all unsere Energie in die Verwirklichung der Idee, Menschen jene Zuwendung und Geborgenheit zu bieten, die ihnen zusteht. Es kann und darf nicht sein, dass Menschen in dieser Phase des Lebens allein gelassen werden oder nicht ihren Bedürfnissen entsprechend betreut werden.

Elisabeth Zanon
Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft


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Der Tod hat nicht das letzte Wort, er hat die letzte Frage – 20 Jahre Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

14. November 2012 | von  | 2 Kommentare

„Soziale Ausgrenzung tut ebenso weh wie körperlicher Schmerz." Elisabeth Zanon

Im materiellen Bereich planen wir ein eigenes Haus, in dem wir die vielfältigen Aufgaben der Hospizbewegung bündeln können. Die Barmherzigen Schwestern haben uns dankenswerter Weise ein schönes Grundstück zur Verfügung gestellt. Wir wollen darauf ein Haus bauen, in dem wir uns weiter entwickeln können und so entsteht eine zentrale Anlaufstelle für alle hospizlichen Anliegen. Unter einem Dach können wir dann stationäre Pflege und Betreuung, ein Tageshospiz sowie die gesamte Organisation und Verwaltung vereinen.

Im ideellen Bereich geht es darum, am geistigen Haus weiterzubauen. Wir wollen die Hospizbewegung im Denken und in den Herzen der Tiroler Bevölkerung immer mehr und tiefer verankern. Wir wünschen uns, dass die Menschen spüren: „Ja, das ist auch unser aller Anliegen, dass Menschen bis zuletzt in Würde leben und sterben können!“

Wir wollen uns weiterhin im Wesentlichen durch Spenden finanzieren, um damit möglichst unabhängig vom öffentlichen Einfluss zu bleiben. Die Freiwilligkeit und das Ehrenamt sind und bleiben wichtige Säulen der Hospizbewegung. Wir wissen aus der jüngsten neurobiologischen Forschung, dass soziale Ausgrenzung ebenso weh tut wie körperlicher Schmerz. Deshalb ist es so wichtig, den Menschen, der im Sterben unausweichlich durch die Einsamkeit hindurch muss, nicht alleine zu lassen. Man könnte zugespitzt sagen: Jeder ist beim Sterben allein, niemand wird beim Sterben allein gelassen!

Im Sterben erleben wir das Ende aller Möglichkeiten.

Deshalb ist Sterbebegleitung so wichtig, weil sie hilft, dem Leben in all seinen Vollzügen zu vertrauen. Dort wird die Hoffnung in einer neuen, größeren und beständigeren Weise geboren. „Wer loslassen kann erlebt, dass er gehalten wird!“, sagt die Hand des Sterbebegleiters stellvertretend und die Hand des Sterbenden sagt das auch. An diesem Punkt ist jede Skepsis Unsinn, sie führt nur zum Ausbleiben der Hilfsbereitschaft. Der berühmte englische Schriftsteller G. K. Chesterton schreibt in einem seiner Bücher: „Es ist lächerlich zu behaupten, je skeptischer wir seien, desto mehr sähen wir das Gute in allem. Das Gute in allem sehen wir umso mehr, je sicherer wir sind, was das Gute ist.“ Und das Gute ist das Leben, in all seinen Vollzügen und damit auch im Sterben.

Der Tod hat nicht das letzte Wort, er hat die letzte Frage. Die letzte Antwort aber hat nicht die Welt, das ist das Geheimnis. Die letzte Antwort hat das Leben. Und wir als Lebendige sind Teil dieser Antwort.

Elisabeth Zanon
Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Aus einem besonderen Holz geschnitzt

1. August 2012 | von

„Ein Tageshospiz wäre eine notwendige Ergänzung in unserem Angebot.“ Elisabeth Zanon, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Jedes Jahr gibt es in der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft einen Tag nur für das Ehrenamt. Dies ist ein Tag, an dem die Möglichkeit besteht, den vielen Ehrenamtlichen in unserer Hospiz-Gemeinschaft etwas Gutes zu tun und ihnen Danke zu sagen.

Es ist auch eine gute Gelegenheit, einander kennen zu lernen, wertvolle Gedanken auszutauschen oder es sich einfach einmal in den Workshops „gut gehen zu lassen“. Im vergangenen April durfte ich mich beim Tag für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen davon überzeugen, wie viele großartige Menschen in unserem Land für die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft arbeiten und unterwegs sind. Es sind Frauen und Männer aus besonderem Holz geschnitzt, ich hege große Bewunderung, Dankbarkeit und Respekt für sie.

Eine von (hospizlichem) sozialem Engagement getragene Gesellschaft weist eine besondere Qualität auf. Diese Qualität bedeutet Wärme, Nächstenliebe und professionelle Betreuung in einer besonders sensiblen Phase des Lebens. Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft setzt sich dafür ein, dass diese Phase nach Möglichkeit in Schmerzfreiheit, in Würde und Individualität erlebt werden kann.

Dies ist auch eine Phase des Loslassens, die sowohl für die Betroffenen als auch für deren Angehörige oft sehr schwer ist und professionelle Hilfe auf unterschiedlichen Ebenen braucht und bräuchte, beispielsweise in Form einer Tagesbetreuung. Daher kämpfen wir in der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft für den Neubau einer eigenen Palliativ- und Hospizstation, wo sowohl eine Tageshospizbetreuung, als auch die stationäre Betreuung in bewährter Qualität unter einem Dach angeboten werden können.

Elisabeth Zanon
Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Wenn das Leben ganz Augenblick wird

10. Juni 2012 | von

„Ich sehe mich als Hüterin dieser letzten Lebensräume und Freiheiten.“ Elisabeth Zanon, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Meine Vorgängerin Marina Baldauf, eine der Pionierinnen der Tiroler Hospizbewegung, hat es mir möglich gemacht in diese Gemeinschaft während des letzten halben Jahres 2011 Schritt für Schritt hinein zu finden. Was ich während dieser Zeit erleben durfte, hat mich tief beeindruckt und von der Notwendigkeit einer derartigen Bewegung überzeugt.

Noch aus meiner Zeit als Klinikärztin weiß ich, dass die Zeit des Abschiednehmens für die Betroffenen wie für die Angehörigen eine Phase höchster seelischer und geistiger Intensität und Anspannung ist. Als ehrenamtliche Vorsitzende durfte ich jetzt auf der Hospiz- und Palliativstation in Innsbruck erleben, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Menschen in ihrer letzen Lebensphase Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit und Menschlichkeit gepaart mit hoher Professionalität und tiefer Herzlichkeit geben. In so einer Atmosphäre kann das Sich-Einlassen auf das Hier und Jetzt möglich werden, und es gelingt, den schönen Augenblick zum Verweilen einzuladen.

Wenn das Leben ganz Augenblick wird, schwindet alles traurige Vergleichen…

Die Bedürfnisse, Hoffnungen und Erwartungen eines jeden Menschen sind im Leben wie auch im Sterben immer einzigartig und individuell. Dieser Individualität eines Lebens im Ableben gilt es, ausreichend Raum und Zeit zu geben.

Es ist meine Sorge, dass das durchaus gut gemeinte und auch teilweise notwendige Bestreben nach messbaren Standards, Qualitätskriterien und den daraus folgenden Regulierungen diese Freiräume einengt und beschneidet. Im Namen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft sehe ich mich als Hüterin dieser letzten Lebensräume und Freiheiten eines sterbenden Menschen.

Elisabeth Zanon, Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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Die Individualität des Sterbens

7. März 2012 | von

"Wir brauchen ein Maximum an Raum für die Bedürfnisse der Sterbenden." Elisabeth Zanon, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit dem Sterben von lieben Angehörigen, Freunden und Bekannten. Sie haben auch mich geprägt, meine Gedanken über den eigenen Tod, meine Vorstellungen von einem würdevollen, „erfüllenden“ Sterben.

Kann das Sterben standardisiert werden?

Unsere Gesellschaft ist geradezu konditioniert auf den Wunsch nach Professionalität in allen Lebensbereichen, nach Qualitätsstandards, die den höchsten Ansprüchen gerecht werden sollen. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, aber kann diese Vorstellung im Zusammenhang mit dem Sterben genügen? Kann das Sterben standardisiert werden?

Letzte Freiheit vor dem Weg ins Unbekannte

Diese Form der „Standardisierung“ muss auf das Notwendige beschränkt bleiben! Wir brauchen ein Maximum an Raum für die Bedürfnisse der Sterbenden. Eine letzte spürbare Freiheit vor dem Weg ins Unbekannte. Dies zu ermöglichen ist Aufgabe einer Gesellschaft, in der das menschliche Leben ebenso respektvoll behandelt wird, wie das Sterben.

Allein-sein zulassen, Gesellschaft mit jenen Menschen ermöglichen, die einem lieb sind, Dinge und Aktivitäten erleben, die das Leben immer bereicherten: jede Lebensgeschichte ist anders und so auch jede Geschichte des Sterbens. Jeder Mensch möchte seine letzte Zeit individuell nach seinen Wünschen und Sehnsüchten verbringen. Nicht immer ist es den Betroffenen möglich, dies noch auszudrücken. Hier braucht es viel Feingefühl und ein enges Zusammenwirken mit den am nächsten stehenden Menschen. Dies alles zu ermöglichen ist mit Einfühlungsvermögen, Respekt, Verantwortungsbewusstsein und großem persönlichem Engagement verbunden.

Ein Sprachrohr für so viele stille Menschen

Dies war und ist Aufgabe der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und somit jetzt auch meine. Ich sehe mich auch als Sprachrohr für viele stille Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren. Unser Auftrag ist es außerdem die Hospizbewegung in Bewegung zu halten. Das heißt den Anliegen sterbender und schwerkranker Menschen wo immer möglich und notwendig den nötigen Raum zu verschaffen.

Ehre und Verantwortung

Abschließend möchte ich mich im Namen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft von ganzem Herzen und mit tiefem Respekt für die Arbeit bei der scheidenden Vorsitzenden Marina Baldauf bedanken.

Sie hat beispiellos und mit unermüdlichem Einsatz für die Anliegen der Hospizbewegung gekämpft, gearbeitet und Erfolge erzielt. Mir ist bewusst, welche Ehre und Verantwortung es ist, in ihre Fußstapfen zu treten und in ihrem und damit im Sinne der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft mit Freude und Energie weiterzuarbeiten.

Elisabeth Zanon
Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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