Alternativer Advent – 2020 – Gedanken von Dr. Klaus Egger

25. November 2020 | von

Dr. Klaus Egger ist der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft seit vielen Jahren verbunden. Wir haben von ihm die Erlaubnis bekommen, seine Gedanken, die er unserem Geschäftsführer Werner Mühlböck als Antwort auf unseren Newsletter geschrieben hat, im Folgenden mit unseren Leser*innen des Hospiz Tagebuchs zu teilen. Vielen Dank dafür!

Alternativer Advent – 2020 von Dr. Klaus Egger

Der Advent 2020 wird ein anderer sein als sonst. Es gibt keine Adventkranzweihe und keinen Gottesdienst am ersten und zweiten Adventsonntag, der Nikolauseinzug in Innsbruck ist abgesagt und auch die Besuche des Heiligen in Familien, Kindergärten und Heimen werden ausfallen. Christkindlmärkte können – wenn überhaupt – frühestens nach einem Ende des Lockdowns eröffnet werden. Der große Christbaum in der Innsbrucker Altstadt steht einsam und allein da. Die Geschäfte – geschlossen und vorweihnachtliche Feiern – abgesagt. Das Weihnachtsgeschäft – im Keller.

Ist damit auch unser Advent verpatzt? Nein, und noch einmal Nein, wenn wir uns in dieser Zeit der Absagen für die große Ansage: „Gott selbst ist im Kommen“ neu aufschließen.

Eine neue Sehnsucht erwacht

Seit den vielen Einschränkungen in dieser Corona-Zeit merken wir in bedrückender und auch bedrohlicher Weise, wie sehr uns vieles fehlt, was bisher so selbstverständlich war: Kontakt mit unseren Mitmenschen, Bewegungsfreiheit, Feste und Feiern, Reisen und Urlaub, Gottesdienste und adventliches Brauchtum. Und hinter all dem steht die leise, aber irgendwie unheimliche Erfahrung: Wir haben unser Leben nicht mehr richtig im Griff, sondern der Corona-Virus hat uns im Griff. Die Pandemie hat sich wie ein riesiges Kreuz vom Norden bis in den Süden, und von Osten nach Westen über unsere Erde gelegt.

Ähnlich wie bei Kranken und allen Menschen, deren Leben unverhofft durchkreuzt worden ist, meldet sich das großes Warten auf eine Rückkehr in die Normalität – oder auf noch viel mehr?

Die „Sehnsucht nach dem ganz Anderen“

Die Suche nach einem letzten Halt, der Durst nach mehr als allem, was unsere Welt zu bieten vermag, nach Heil und Heilung von den Wunden dieses Lebens, eine Sehnsucht nach dem großen Geheimnis, das wir Gott nennen, kann und möchte auch in diesem Corona-Advent neu aufblühen. Das ist möglich. Denn Gott kennt keinen Abstand und er ist immer am Kommen!

Advent vor dem Advent

Schon zu der Zeit, als es noch längst keine Adventszeit und auch noch kein Weihnachtsfest gab, waren die Christen eingeladen, auf das Kommen des Herrn zu warten. Der Apostel Paulus hat bereits in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Thessalonich – eine der ältesten Schriften des Neuen Testamentes – eine Anleitung für einen Advent mitten in unserem Lebensalltag gegeben (1 Thess 5, 12 – 22). Der dritte Abschnitt in diesem Aufruf lautet:

Freut euch allezeit – Betet ohne Unterlass – Dankt für alles!

Das gilt auch für unseren „alternativen Advent“. Ich denke, es geht gar nicht darum, gleich alles zu verwirklichen. Deshalb drei Vorschläge:

Freude:

Wie steht es eigentlich um meine Freude, ein Christ zu sein – nicht einfach in dieser „winterlichen Zeit der Kirche“. Aber dabei geht es ja nicht bloß um „fromme Freuden“, sondern um die Freude über alle guten Gaben, die ein Geschenk Gottes sind. Diese Freude kann auch aufleben, wenn wir singen:

„Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.“

Beten:

Vor einigen Wochen bin ich einem Gebet begegnet, welches für unsere Corona-Situation unglaublich aktuell ist:

„Herr, wir wissen nicht, was die Zukunft bringen wird,
aber wir wollen sie mit deiner Hilfe und Kraft annehmen,
was immer sie uns schenken und zumuten wird.
Begleite uns mit deinem Segen in guten und schlechten Tagen. Amen.“

Danken:

In diesem alternativen Advent lohnt es sich, über „Orte der Dankbarkeit“ nachzudenken:

„Das Netz unserer Freundschaft“:
wie sehr sind wir von diesem doch getragen!

„Die Wunder der Natur“:
wie sehr lassen sie mich doch immer wieder aufleben!

„Gute und schöne Erinnerungen“:
sie sind ein Schatz, den uns niemand nehmen kann!

Der Gipfel unserer Dankbarkeit:
„die Feier der Eucharistie!“

Jeder Advent und so auch ein alternativer Advent ist zunächst ein Warten, Erwarten. Das heißt: Tag für Tag in sich das „Maranatha“, das „Komm, Herr“ aufsteigen zu lassen.

Komm für die Menschen! Komm für uns alle! Komm für mich selbst!

(Roger Schütz)

Text: Dr. Klaus Egger

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