Vorausschauende Betreuungsplanung: gehören Tod und Sterben noch zum Leben?

15. Juni 2020 | von

Frau M. sagt bei jedem der Besuche des Palliativteams: „Wenn´s bei mir einmal zum Sterben ist, dann lasst´s mich schon daheim sterben“. Die Familie möchte Fr. M. den Wunsch erfüllen. Zugleich machen sie sich Gedanken, wie das dann gehen kann.

In der Hospiz- und Palliativbetreuung begleiten wir Menschen, die schwer krank sind. Ein Gespräch über die Erkrankung und Wünsche in Hinblick auf medizinische Behandlungen entlasten die Familie. Wir sind eingeladen, Gespräche zu diesen wichtigen Themen zu führen. Ein Anlass kann z.B. eine COVID-19 Erkrankung sein. So können Wünsche in Hinblick auf medizinische Behandlungen berücksichtigt und Sicherheit für alle Beteiligten gewährleistet werden.

Vorausschauende Betreuungsplanung

Im Gespräch mit Pflegepersonen, Ärzten und Betroffenen werden Informationen über Werte, Wünsche und Ängste ausgetauscht um eine Entscheidung über eine medizinische Behandlung gemeinsam und gleichberechtigt zu finden.

Dabei ergeben sich Fragen wie: „Ist für (m)eine über 80-jährige, chronisch kranke Mutter, die seit Jahren auf Pflege angewiesen ist, eine Intensivstation der Ort, der ihr in weiterer Folge Lebensqualität bietet? Oder wäre eine gute Symptomlinderung und der Verbleib in vertrauter Umgebung ein Mehrwert für alle Beteiligten?“ Für die Linderung von Symptomen ist eine Intensivbetreuung nicht zwingend erforderlich. Intensivstationen sind für manche Erkrankungsstadien wichtig und hilfreich, können aber für schwerkranke, hochaltrige Menschen unter Umständen mehr schaden, als nutzen.

Diese und ähnliche Fragen sind mit den Betroffenen, den Angehörigen, den Hausärzten und den Pflegepersonen, zu Hause, sowie auch in den Pflegeheimen und den Krankenhäusern zu besprechen.

Bewusstsein schaffen

Wir laden die Menschen ein, über die Themen Tod und Sterben zu sprechen. Die Wünsche, in Hinblick auf die Verschlechterung des Gesundheitszustandes von schwerkranken, hochaltrigen Menschen zu kennen, erleichtert allen Beteiligten mögliche Entscheidungen über weitere Vorgehensweisen. Die Medizin konnte in den letzten Jahren unglaubliche Erfolge erzielen, vieles kann geheilt und gelindert werden, aber eben nicht alles. Es gibt nach wie vor Grenzen.

Damit ein gutes medizinisches Handeln möglich ist, benötigt es das Gespräch zwischen Patienten und Ärzten. Im Englischen gibt es den Begriff „shared decision making“ die gemeinsame Entscheidungsfindung. Das ist in der Bevölkerung noch nicht ausreichend angekommen. Das veraltete hierarchische Entscheidungsdenken „die Ärzte sagen allein wo es lang geht“ ist nicht mehr aktuell.

Schriftliche Planung

Über die Fragen, ob die Behandlungen den Menschen dienen oder mehr schaden, dazu braucht es Gespräche. Schriftlich festgehalten können sie in weiterer Folge eine große Hilfestellung sein. Nicht gewünschte, nicht zielführende Krankenhausaufenthalte oder sogar Intensivbetreuungen können dadurch verhindert werden. Es gibt weitere Instrumente, um selbstbestimmt bis zum Lebensende zu bleiben (Patientenverfügung, Vorsorgedialog, Vorsorgevollmacht).

Weitere Informationen zur Hospiz- und Palliativversorgung finden Sie auf unserer Website: www.palliativ-tirol.at

 

Christina Wechselberger, MSc Koordinatorin Hospiz- und Palliativversorgung Tirol

 

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