Wenn’s weh tut!

22. März 2020 | von

„Schmerzen haben nicht nur körperliche Ursachen. Daher sind sie am besten im Team zu behandeln.“ Andrea Knoflach-Gabis, Ärztliche Direktorin Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Was können wir gegen Schmerzen tun? Wie verbessert eine Scherztherapie die Lebensqualität?

„So gut wie jetzt ist es mir schon lange nicht mehr gegangen. Ich habe kaum mehr Schmerzen. Das Leben macht wieder Spaß, seitdem ihr es geschafft habt, meine Schmerzen in den Griff zu bekommen. Wenn ich an die Zeit bis vor kurzem denke, ich kann es kaum glauben“, sagt Frau S., als wir sie im Rahmen ihres Besuchs im Tageshospiz zu einem ärztlichen Gespräch bitten. Auch die Tochter, die ihre Mutter begleitet hat, bestätigt dies. „Der gesamte Tagesablauf ist plötzlich viel einfacher. Die Mama ist wieder aktiver und vor allem viel besser drauf. Sie macht ihre Übungen, hat auch wieder Lust auf Ausflüge und die Treffen mit ihren Freundinnen.“

Was ist Schmerz überhaupt? Was ist das Geheimnis der palliativen Betreuung der Patientin?

Laut der International Association for the Study of Pain ist Schmerz ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer aktuellen oder drohenden Gewebeschädigung einhergeht oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Jedoch so kompliziert und einseitig, wie diese Definition den Schmerz beschreibt, ist es nicht. Das Geheimnis der Betreuung ist die Tatsache, dass wir die Patientin/den Patienten ganzheitlich sehen – mit allen Beschwerden und Befindlichkeiten.

Bereits Cicely Saunders, die Mutter der Hospizbewegung, prägte den Begriff des Total Pain. Was heißt das nun? Es bedeutet, dass die Schmerzen neben den körperlichen Ursachen auch durch psychische, soziale, affektive und religiöse Faktoren, die eng miteinander verknüpft und verwoben sind, beeinflusst werden. All unsere Empfindungen und Probleme wirken somit auf die Intensität unserer Schmerzen und beeinflussen sich gegenseitig. Nicht nur der Körper kann schmerzen, auch die Seele ist sehr verwundbar und anfällig.

Erinnern wir uns doch selbst an das letzte Mal, als wir Schmerzen hatten. Wie lästig und unangenehm war dies! Je länger die Schmerzen anhielten, umso intensiver empfanden wir sie – ein Teufelskreis, belastend und zermürbend, isolierend, weil wir uns zurückziehen, und deprimierend. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

Wie gehen wir das am besten an? Wo beginnen wir? Was alles kann bei der Bekämpfung der Schmerzen helfen?

Einen ganz wichtigen Anteil am Erfolg der Schmerztherapie haben die Patient*innen selbst. Eines ist grundlegend:
Der Schmerz ist genau das, was die Person beschreibt, die ihn erlebt, und er existiert immer dann, wenn sie dies – durch verbale oder nonverbale Äußerungen – ausdrückt. Wir müssen also nur den Patient*innen zuhören, denn sie sind die Expert*innen ihrer Schmerzen. Das Gespräch ist somit die Grundlage und Voraussetzung der Therapie.
Es gibt eine breite Palette verschiedener Schmerzmedikamente, alle mit verschiedenen Wirkungen, Wirkmechanismen und Indikationen, nun gilt es, das richtige Präparat oder die richtige Kombination von Medikamenten zu finden. Eine Mitarbeit der Patient*innen ist dringend erforderlich: Sie müssen die Wirkung der Maßnahmen beschreiben und auch die Therapie regelmäßig befolgen.

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“: Bereits dieses Sprichwort gibt uns einen Hinweis darauf, wie wir dem Leiden begegnen können. Es zeigt uns auf, wie wichtig es ist, mit den Patient*innen, aber auch mit ihren Angehörigen über die Situation, die Umstände, Belastungen, Beziehungen und alles, was ihn beschäftigt, zu sprechen. Es hilft, Dampf abzulassen, aufgestaute Gefühle anzusprechen und somit den Druck zu vermindern und das Leid zu reduzieren.

Es muss nicht immer geredet werden

Oft hilft auch die bloße Anwesenheit. „Nur nicht allein sein“, das ist der Wunsch vieler Patient*innen. Körperliche Nähe löst ein Gefühl der Geborgenheit aus, das Schmerzen mindern lässt. Aber auch die Anwesenheit des lieben Hundes, der zu Besuch kommt, wirkt oft Wunder.

Wickel, Umschläge und Einreibungen sind äußerst hilfreiche Maßnahmen in der Schmerztherapie. Die Wirkung einer Einreibung mit dem Schmerzöl ist vielfältig:
die entspannende Massage neben der Wirkung der ätherischen Öle, kombiniert mit der körperlichen Nähe. Aber auch die Wirkung von Physiotherapie und Bewegung dürfen wir nicht vergessen. Gezielte Übungen, Massagen, Lagerungen können erstaunlich viel bewirken.

Die beste Behandlung geschieht im Team

Die effektivste Behandlung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen geschieht im Team. Alle unsere Mitarbeiter*innen, hauptamtlich und ehrenamtlich, verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzt*innen, Pfleger*innen, Psychologinnen, Physiotherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen, Seelsorger*innen, Hausfrauen, alle tragen dazu bei, eine Besserung des Zustandes der Patient*innen zu erreichen.

Dazu braucht es Sensibilität, Wissen, aber auch Gespür, um für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles, auf die jeweilige Situation zugeschnittenes Therapiekonzept zu erstellen. Vor allem jedoch braucht es die Mit und Zusammenarbeit der Patient*innen und des Teams.

Andrea Knoflach-Gabis, Ärztliche Direktorin Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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