Ein Jahr Tageshospiz und Palliativambulanz

3. Dezember 2019 | von

Mit dem Tageshospiz und der Palliativmedizinischen Ambulanz bestehen im Hospizhaus Tirol zwei Angebote, die in der Praxis stark ineinandergreifen. Urban Regensburger sprach mit Piet Wolters (Leiter des Tageshospizes) und Christina Kaneider (Ärztin auf der Palliativambulanz) über das erste Jahr im Hospizhaus.

Wie blickt ihr auf das erste Jahr von Tageshospiz und Palliativmedizinischer Ambulanz zurück? Habt ihr es euch so vorgestellt?

Piet Wolters: „Nein, ich habe es mir nicht so vorgestellt, zumal ich gar keine klare Vorstellung davon hatte, wie es sein wird. In Tirol ist es das erste Tageshospiz, also ein neues Projekt. Bis heute sind wir noch in einer Art Pionierphase. Vor allem in den ersten Monaten war jeder Tag spannend und bot die eine oder andere Überraschung. Was sich bis jetzt bereits herauskristallisiert hat, ist die Grundstruktur des Tageshospizes: das Ineinandergreifen von medizinisch-pflegerischer Versorgung auf der einen und Sozialbetreuung auf der anderen Seite.“

Christina Kaneider: „Schön ist es, zu sehen, dass die Patient*innen, die wir bisher betreut haben, gerne zu uns kommen und sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Palliativpatient*innen dieses Angebot in Anspruch nehmen.“

Was ist für die Patient*innen besonders wichtig?

Christina Kaneider: „Dass sie bei uns einen Ort gefunden haben, an dem sie all ihren Anliegen und Sorgen, und damit meine ich nicht nur die rein medizinische Seite, vorbringen können und ihnen zugehört wird. Ein Patient ist mehr als nur seine Diagnose. Besonders wichtig finde ich, dass man auch die soziale Dimension, Wünsche und Möglichkeiten der Patientin oder des Patienten in den weiteren Therapieplan mit einbindet.
Hinzu kommt, dass besonders unsere palliativen Patient*innen mit vielen Befunden aus den verschiedensten Fachgebieten zu uns kommen und hier können wir uns einen Überblick über die ganze Krankengeschichte machen. Da versuchen wir besonders zu unterstützen. Wir achten auf eine ganzheitliche Sicht des Menschen.“

Piet Wolters: „Mir ist wichtig festzuhalten, dass wir nicht das Ziel haben, andere Betreuungsangebote in der Klinik, niedergelassene Ärzte oder Sprengeldienste zu ersetzen, sondern wir verstehen uns als Zusatzangebot. Neben der pflegerisch-medizinischen Versorgung und der sozialen Betreuung liegt unser Schwerpunkt auch in der Koordination.“

Welche medizinischen Leistungen werden besonders in Anspruch genommen?

Christina Kaneider: „Am meisten wird das Beratungsgespräch in Anspruch genommen. Das Beratungsgespräch hat so viele Dimensionen. Aufbauend auf dem, was bisher geschehen ist, zielt es darauf ab, gemeinsam einen Plan zu entwickeln, wie es weitergehen könnte. Dabei legen wir großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den jeweils beteiligten medizinischen und versorgenden Diensten.“

Piet Wolters: „Im Tageshospiz haben wir oft mit Patient*innen zu tun, die an einer Art Gabelung stehen. Bei ihnen könnte es auf der einen Seite in Richtung Stabilisierung oder Besserung gehen, es könnte aber auch Richtung Sterben gehen. Hoffnung und realistisches Annehmen-können liegen manchmal sehr eng beisammen.“

Welche Rolle spielt das Ehrenamt?

Piet Wolters: „Das Ehrenamt ist kein Beiwerk zur Versorgung, sondern das Ehrenamt ist das Fundament im tageshospizlichen Alltag. Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen fangen bei uns in der Früh an, erhalten um 8 Uhr eine halbstündige Übergabe und sind dann für die soziale Tagesgestaltung hauptverantwortlich. Sie reden, basteln, musizieren und gehen mit den Patient*innen
spazieren. Dadurch können sich die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen um die medizinisch-pflegerischen Bedürfnisse der Patient*innen kümmern.“

An welchen Moment denkt ihr besonders gerne zurück?

Piet Wolters: „Ich denke sehr gerne an meine erste Rikschafahrt zurück. Es war ein sonniger Tag. Wir haben uns spontan für eine Ausfahrt entschieden, ohne zu wissen wohin.“

Christina Kaneider: „Ich habe oft das Gefühl, da ist jetzt für die Patientin oder den Patienten etwas gut gelaufen. Das freut mich.“

Wohin soll sich das Tageshospiz entwickeln? Wo seht ihr noch Potenzial zur Verbesserung?

Christina Kaneider: „Ich hoffe, dass die Kolleg*innen außerhalb der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft zukünftig noch mehr an das Vorhandensein unserer Ambulanz denken und Patient*innen an uns weiterverweisen, im Sinne einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit und Vernetzung.“

Piet Wolters: „Ich wünsche mir Stabilität, damit wir unsere Patient*innen gut betreuen und vielleicht einen vierten Öffnungstag anbieten können.“

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