Die Sehnsucht nach Trost

19. Juni 2017 | von

Sehnsucht nach Trost

„Vertrösten sie mich nicht. Trösten sie mich“, sagte mir unlängst ein Patient. Daraufhin habe ich im Duden nachgeschaut. Trösten meint „jemand zur Seite stehen, Stütze sein, innere Festigkeit, Boden, Halt geben.“  Wer tröstet, sieht die Probleme eines Menschen. Er wischt sie nicht weg, sondern ist bei jemandem, geht mit jemandem.

Im Gegensatz dazu ist vertrösten: „durch das Erwecken von Hoffnung jemanden hinhalten.“ Wir kennen die leicht über die Lippen kommenden Worte: „Es wird schon werden“. „Morgen ist es bestimmt besser.“

Ich gebe als Seelsorger ehrlich zu: Leichter ist es jemanden zu vertrösten als mit ihr das Schwere auszuhalten.

Und was das Trösten angeht: Wir können, am Hospiz oder daheim, wo immer wir leben, an einer Atmosphäre des Trösten und Getröstet Werdens bauen. Den tiefen Trost, den tiefen inneren Frieden kann ich, können wir Pflegende, Angehörige einander nicht geben – trotz bester Medizin, innigster Zuwendung und professionellster Pflege.

An Pfingsten feiern wir das Fest des „höchsten Trösters“. So wird der Heilige Geist in einem alten Pfingsthymnus bezeichnet. Gott lässt uns nicht im Stich. Er sendet uns sein Leben, seinen Geist, seinen „Bei-stand“, seinen Trost gerade in schweren Zeiten. Im Hymnus heißt es: „In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.“

Christinnen und Christen haben seit Jahrhunderten gerade in Zeiten der Krankheit auf den Heiligen Geist vertraut. Unzählige Kapellen, Kirchen im Umkreis von Spitälern und Hospizen sind dem Heiligen Geist geweiht. Die Spitalskirchen in Innsbruck, Hall, Schwaz und anderswo. Aber auch die nördlichste Kirche Südtirols, die Heilig Geist Kirche am Ende des Südtiroler Ahrntals (siehe Foto), am Alpenübergang zu den Krimmler Tauern, wo einst ein Hospiz, eine Pilgerherberge stand.

Pfingsten ist eine Einladung, dem „höchsten Tröster“ zu trauen. Mögen wir getröstet, nicht vertröstet werden.

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Christian Sint, Seelsorger
Ansprache bei Gottesdienst am Pfingstmontag, 5. Juni 2017 auf der Hospiz- und Palliativstation

Die Fotos zeigen die Heilig Geist Kirche am Ende des Ahrntals in Südtirol.

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