Freitag
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OKT 2020

Umgang mit Vielfalt am Ende des Lebens: Wer sorgt sich um die Seele? Und wie?

09:00 - 17:00 Uhr | Innsbruck

© Ramona Waldner

Fachtagung in Kooperation mit dem Haus der Begegnung und dem Kardinal König Haus

Inhalt

Wenn es in belastenden Situationen am Lebensende nicht nur für den Leib, sondern auch seelisch-geistig „prekär“ wird, drängen sich verschiedene Fragen auf: Auf welchen unterschiedlichen spirituellen Hintergründen beruht die Begleitung? Welche Menschenbilder sprechen dadurch? Welche Formen des Umgangs mit Sterben, Tod, Trauer, Leid und Schmerz werden aktualisiert? Können diese neu verhandelt und weiterentwickelt werden? Welche Rolle spielen kulturell-religiöse Prägungen und gewachsene Traditionen und wie können sie thematisiert werden von Seiten der Betroffenen und aus der Perspektive der professionellen Akteur*innen?

Zielgruppe der Tagung ist ein interessiertes Fachpublikum, das sich mit eigenen und fremden Prägungen in weltanschaulich-religiöser und kultureller Art in Bezug auf die Spiritual Care am Lebensende auseinandersetzen will.

Das „Pilot-Symposium“ zur Sorge um die Seele in ihren verschiedenen Deutungstraditionen findet am Freitag, 2. Oktober 2020 im Haus der Begegnung statt. Der Hauptvortrag wird psycho- und gruppenanalytische Resonanzräume im Migrationsbezug eröffnen. Expert*innen laden zu einem multiperspektivischen Dialog ein. Die Workshops sind mit den Dimensionen der Palliative Care in ihrer Vielschichtigkeit befasst und widmen sich sowohl Theorie- als auch Praxisbezügen.

Eine Fortsetzung mit weiteren Veranstaltungen in Wien am Kardinal-König-Haus und in Innsbruck ist geplant.

Das Programm im Überblick

Keynote: Wenn Wissen und Handeln an Grenzen stoßen – migrationsbezogene Handlungspraxen am Lebensende

Migrationsbezogene Handlungspraxen am Lebensende

Prof. Dr. Ulrike Kluge, Dipl. Psych., Professorin für Psychologische und medizinische Integrations- und Migrationsforschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Leiterin des Zentrums für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP) und Wissenschaftlerin am Berlin Institute for Integration and Migration Research (BIM) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Analytische Ausbildung bei der Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse und Psychotherapie Berlin e.V. (APB) und gruppenanalytische Ausbildung am Seminar für Gruppenanalyse Zürich (SGAZ).

Multiperspektivisches Podiumsgespräch:

Prof. Dr. Ulrike Kluge (Psychiatrie, Psychotherapie, Ethnologie), Dr.med. Birgit Traichel (Medizin), Mag. Gabriele Danler (Katholische Klinikseelsorge), Dr.phil. Mahmoud Abdallah (Islamische Theologie und Seelsorge) – Moderation: Dr.phil. Patrick Schuchter, MPH (Philosophie und Pflege)

Am Nachmittag finden fünf Workshops parallel statt, eine Zusammenschau der Workshops bildet den gemeinsamer Abschluss:

 A) Ideengeschichtliche Quellen von Spiritualität für die Praxis: religiös und philosophisch

Leitung: Dr.phil. Mahmoud Abdallah, Senior Scientist am Institut für Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck gemeinsam mit Dr.phil. Patrick Schuchter MPH, stellv. Leiter des Bereichs Hospiz, Palliative Care und Demenz im Kardinal König Haus, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Graz, Philosoph, Gesundheitswissenschaftler und Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger.

„Was heißt „Sorge um die Seele“? Was heute Seelsorge oder Spiritual Care heißt, ist historisch gewachsen und stark von der christlichen Seelsorge geprägt. Wir wollen in unserem Workshop über den Umweg über zwei andere historische Traditionen mögliche andere oder weitere Facetten freilegen, was Sorge um die Seele bedeuten kann und welche Praktiken daraus folgen. Für  „Seelsorge“ gibt es im Islam kein einfaches Äquivalent – eine Reflexion auf zentrale Begriffe führt uns zu unterschiedliche Rollen- und Praxis-Mustern. In der antiken Philosophie, insbesondere des Hellenismus, steht der Begriff der „philosophischen Übung“ im Zentrum einer ganzen „Lebenskunst“. In der klassischen Literatur des Islam wird die Seele teils als etwas Göttliches mit „übernatürlicher“ Kraft gesehen teils mit Herz und Verstand gleichgesetzt. Wir freuen uns auf eine rege Diskussion auf der Basis zweier Impulse – wobei möglicherweise auch Querverbindungen festgestellt werden können.“

B) Kommunikation im kulturvielfältigen Kontext

Leitung: Sabine Egg, Dipl.Päd.in, gepr. Gebärdensprachdolmetscherin, Psychotherapeutin in Ankyra und Dr.med. Birgit Traichel, Leitende Ärztin Palliative Care Kantonsspital Münsterlingen

In der Palliative Care sowie am Lebensende werden zunehmend Menschen mit unterschiedlichem kulturellen, sprachlichen sowie religiös-spirituellem Hintergrund betreut. Dies ist häufig bereichernd und lehrreich; die Kommunikation, das in Kontakt treten und der Beziehungsaufbau können jedoch gelegentlich auch herausfordernd sein und zu Missverständnisse führen. Neben der häufig zunächst im Vordergrund stehenden Sprachbarriere können auch kulturell bedingte unterschiedliche Kommunikationsstile, Bedeutungsinhalte und Wertehaltungen die Verständigung erschweren. Wir möchten gemeinsam mit Ihnen, auch anhand von Beispielen aus der Praxis Möglichkeiten und Strategien zur gelingenden transkulturellen Kommunikation mit schwerkranken Menschen und Ihren Angehörigen diskutieren.

C)  Formen des Abschieds finden

Leitung: Dipl. Päd. Hülya Ekinci, islamische Religionslehrerin, Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung, Mag. Alexander Legniti, Referat Friedhöfe beim Stadtmagistrat Innsbruck und Dr. theol. Stefan Schlager, katholischer Theologe, Hochschullehrer, Autor, Lyriker und Leiter des Referates Theol. Erwachsenenbildung und Weltreligionen, Diözese Linz

Welche grundlegenden menschlichen Bedürfnisse gibt es im Hinblick auf Rituale und/oder Orte, die dem Abschied ein Gesicht geben können? Wie hat sich das Suchen danach und Finden in den letzten Jahren und Jahrzehnten möglicherweise verändert, im Hinblick auf religiöse Menschen, aber auch im Hinblick auf Menschen, die mit Religion nicht im Reinen sind, konvertiert sind, polykulturelle Hintergründe mitbringen oder mit religiöser Gemeinschaft und/oder religiösen Formen nichts (mehr) zu tun haben möchten? Welche Herausforderungen muss sich eine säkularisierte Gesellschaft in ihrer Vielfalt stellen im Zusammenhang mit dieser rezenten Bedürfnis-Landschaft? Wie gehen TheologInnen, Seelsorgende, Religionsgemeinschaften mit der inneren Vielfalt vieler Menschen um? Welche Herausforderungen und Chancen bergen aktuelle weltweite Phänomene wie Flucht und Migration für das Ringen mit dem Lebensende und dem Suchen/Finden angemessener Formen des Abschieds in unserer Gesellschaft und unseren Gemeinschaften?

D) Palliative Care und die Sorge um „Leib und Seele“

Leitung: Mag. Christian Sint, katholischer Theologe, Ausbildung in Spiritual Care, Klinische Seelsorge Ausbildung (KSA), Seelsorger der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und DGKP Sylvia Jöbstl, Dipl. Gesundheits- und Krankenpflegerin, Projektkoordinatorin Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim (HPCPH)

Hier der Leib. Hier die Seele. In Palliative Care werden schwerkranke Menschen, ihre An- und Zugehörigen ganzheitlich – das heißt von medizinischer, pflegerischer, psychosozialer und spiritueller Seite – begleitet. Palliative Care leitet sich aus dem lateinischen „pallium“ ab, was einem mantelähnlichen Umhang entspricht. Das englische Wort „care“ lässt sich mit „Sorge“ übersetzen. Zu Palliative Care als multiprofessionelle Umsorgung gehört Spiritual Care. Nach Erhard Weiher atmet in jedem Menschen „ein innerer Geist, aus dem heraus ein Mensch sein Leben empfindet, gestaltet und Leben, Krankheit und Sterben zu bewältigen versucht.“ Diesen „Geist“ gilt es sanft zu berühren und in einer ganzheitlichen Begleitung „mitfließen“ zu lassen. Im Workshop werden Wege aufgezeigt, wie auf kulturell-religiöse Vielfalt eingegangen wird, wie Palliative Care als ganzheitliche Aufgabe von Pflege und Seelsorge im Blick auf „Leib und Seele“ praktiziert wird.

E) Sorgende begleiten und zur Selfcare anleiten

Leitung: Mag. Klaus Niederwimmer, evangelischer Theologe und Pfarrer, Klinik- und Gefängnisseelsorger und Mag. Christa Sommerer, MAS, katholische Klinikseelsorgerin und Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Trauerbegleitung

Luise Reddemann (Psychiaterin und Psychoanalytikerin) versteht unter Selbstfürsorge einen liebevollen, wertschätzenden, achtsamen und mitfühlenden Umgang mit sich selbst. In der Begleitung von Menschen am Lebensende braucht es ein besonders hohes Maß an Fürsorge, für die kranken und sterbenden Menschen einerseits, und für uns selbst, die professionell Begleitenden andererseits. Selbstfürsorge ist „eine ernsthafte, beharrliche Arbeit an sich selbst“ (Michel Foucault). Dieser Arbeit wollen wir uns in unserem Workshop widmen, indem wir uns Zeit nehmen für Reflexion und Übungen zur Selbstfürsorge – um damit den Boden zu stärken, der uns trägt!

Zielgruppe

Das Symposium richtet sich an ein Fachpublikum, das schwer kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige betreut und begleitet: Ärzt*innen, Pflegekräfte, Therapeut*innen, Seelsorger*innen, Sozialarbeiter*innen, ehrenamtliche Hospiz-Begleiter*innen, u.a.

Termin

Freitag, 2. Oktober 2020, 9-17 Uhr

Ort

Haus der Begegnung, Rennweg 12, Innsbruck

Teilnahmebeitrag

120€ Tagungsgebühr inkl. Mittagessen (Hauptspeise plus Salat und Suppe oder Dessert), Kaffeepause am Vormittag und Nachmittag.

Ermäßigung für Studierende etc. auf Anfrage möglich.

Anmeldung

Anmeldung: erforderlich bis zum 18. September 2020 unter www.hausderbegegnung.com

Bitte wählen Sie online vorab, an welchem Workshop Sie teilnehmen möchten: www.hausderbegegnung.com

Falter

Hier können Sie den Falter herunterladen.

Anrechenbarkeit für Ärzt*innen

8 DFP-Punkte für Sonstige Fortbildung

Veranstalter

Haus der Begegnung der Diözese Innsbruck, Kardinal König Haus und Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

In Kooperation mit

Klinikseelsorge Innsbruck/Hall/Natters/Hochzirl, Evangelische Superintendentur A.B., Fakultät für Bildungswissenschaften und Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck, Altenseelsorge der Diözese Innsbruck, Ärztekammer für Tirol, Department für Pflegewissenschaft und Gerontologie der UMIT Tirol, ethucation – Netzwerk für Bioethik in Lehre und Fortbildung, FHG Ergotherapie, FHG Logotherapie, Tiroler Institut für Logotherapie

Gefördert durch

AK Tirol, Caritas Bildungszentrum, Katholisches Bildungswerk, Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck, Evangelisches Bildungswerk, Ankyra – interkulturelles Psychotherapiezentrum Tirol / Diakonie Flüchtlingsdienst

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