Tagebuch

Archiv: alter

Was seht ihr Schwestern – eine Geschichte einer alten Frau

4. April 2013 | von  | 2 Kommentare
Eine Geschichte einer alten Frau

Eine Geschichte einer alten Frau

Denkt Ihr, wenn ihr mich anschaut: Eine mürrische alte Frau, nicht besonders schnell, verunsichert in ihren Gewohnheiten, mit abwesenden Blick, die ständig beim Essen kleckert, die nicht antwortet, wenn Ihr sie anmeckert, weil sie wieder nicht pünktlich fertig wird. Die nicht so aussieht, als würde sie merken, was Ihr macht und ständig den Stock fallen läßt: Füttern, waschen und alles was dazu gehört.

Denkt Ihr denn so von mir, Schwestern, wenn Ihr mich seht, sagt?

Öffnet die Augen, Schwestern, schaut mich genauer an! Ich soll Euch erzählen, wer ich bin, die hier so still sitzt, die macht, was ihr möchtet und ißt und trinkt, wann es Euch paßt?

Ich bin ein zehnjähriges Kind mit einem Vater und einer Mutter, die mich lieben und meine Schwester und meinen Bruder. Ein sechzehnjähriges Mädchen, schlank und hübsch, die davon träumt, bald einem Mann zu begegnen.

Eine Braut, fast zwanzig, mein Herz schlägt heftig bei dem Gedanken an die Versprechungen, die ich gegeben und gehalten habe. Mit fünfundzwanzig, noch habe ich eigene Kleine, die mich zu Hause brauchen. Eine Frau mit dreißig, meine Kinder wachsen schnell und helfen einander.

Mit vierzig, sie sind alle erwachsen und ziehen aus. Mein Mann ist noch da und die Freude ist nicht zu Ende. Mit fünfzig kommen die Enkel und sie erfüllen unsere Tage, wieder haben wir Kinder – mein Geliebter und ich.

Dunkle Tage kommen über mich, mein Mann ist Tod. ich gehe in eine Zukunft voller Einsamkeit und Not. Die Meinen haben mit sich selbst genug zu tun, aber die Erinnerungen von Jahren und die Liebe bleiben mein. Die Natur ist grausam, wenn man alt und krumm ist, und man wirkt etwas verrückt.

Nun bin ich eine alte Frau, die ihre Kräfte dahinsiechen sieht, und der Charme verschwindet.

Aber in diesem alten Körper wohnt immer noch ein junges Mädchen, ab und zu wird mein mitgenommenes herz erfüllt. Ich erinnere mich an meine Schmerzen, und ich liebe und lebe mein Leben noch einmal, das allzuschnell an mir vorbeigeflogen ist und akzeptiere kühle Fakten, daß nichts bestehen kann.

Wenn ihr Eure Augen aufmacht, Schwestern, so seht ihr nicht nur eine mürrische alte Frau. Kommt näher, seht mich.

Diese Geschichte einer alten Frau erschien vor längerer Zeit in einer Altenpflegezeitschrift. Verfasser leider Unbekannt. Unser Pfleger Markus Mader hat es entdeckt und ich teile es gern in unserem Hospiz-Tagebuch.

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Vortrag – Spiritualität im Alter

1. April 2013 | von

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Vortrag

Spiritualität im Alter

Dienstag, 9. April 2013, 19:30 Uhr

Mag. Rainer Kinast, Theologe und Psychotherapeut

Eine Quelle, die immer wieder als hilfreich im Umgang mit der sich verändernden Situation im Alter beschrieben wird, ist die Spiritualität. Der Begriff „Spiritualität“ wird in der Literatur widersprüchlich verwendet, zudem ist der Zugang zur eigenen Frömmigkeit sehr individuell. Trotz dieser Verschiedenheit können Grundhaltungen beschrieben werden, die eine heilsame Spiritualität (egal welcher Weltanschauung) fördern und stärken.

Der Vortrag will sowohl für die eigene, persönliche Spiritualität sensibilisieren als auch für den Umgang mit der Spiritualität von alten Menschen wachsam machen. Konkrete Anregungen des Vortragenden ersparen aber nicht, sie im Umgang mit sich selbst und mit den alten Menschen auszuprobieren.

Der Abendvortrag findet in der Schule für Sozialbetreuungsberufe in der Maximilianstraße 41 in Innsbruck statt und ist kostenlos zugänglich. Eine Anmeldung per Email (bildungszentrum.fortbildung@dibk.at) erleichtert uns die Organisation.

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Wir werden immer älter – ein Notfall der besonderen Art? – Impulsvorträge und Diskussion

22. Oktober 2012 | von

Wie soll die Notfallmedizin auf die älter werdene Gesellschaft reagieren. Eine Diskussionsveranstaltung im Haus der Begegnung in Innsbruck.

Notfallmedizin und Geriatrie -Impulsvorträge und Diskussion

In Wohlstandsländern ist die durchschnittliche Lebenserwartung sehr hoch – eine erfreuliche Auswirkung von guter Ernährung, sozialem Frieden und medizinischer Versorgung. Ethische Fragestellungen ergeben sich aber, wenn mit intensivmedizinischen Maßnahmen das Leben von schwerkranken alten Menschen um jeden Preis verlängert wird. An diesem Abend erläutern drei Experten dieses Thema vor dem Hintergrund ihres jeweiligen Fachgebietes und stellen sich der Diskussion.

Referenten:

  • Dr. Markus GOSCH, Abt. für Innere Medizin und Akutgeriatrie, LKH Hochzirl
  • Dr. Wolfgang LEDERER, Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin
  • Dr. Christoph PECHLANER, Univ.-Klinik für Innere Medizin

Moderation:

  • Dr. Michael BAUBIN, Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Mitglied des Klinischen Ethikkreises am LKI

Termin:
Mittwoch, 21. November 2012, 19 Uhr

Ort:
Haus der Begegnung, Rennweg 12, Innsbruck

Beitrag:
EUR 7,-

Eine Veranstaltung des Fachreferats Gesellschaftspolitik und Ethik im Haus der Begegnung gemeinsam mit der Tiroler Hospizgemeinschaft, dem Katholischen Bildungswerk Tirol – SelbA, dem Evangelischen Bildungswerk in Tirol und dem Klinischen Ethikkreis

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„Ich will JETZT in die Stadt, alleine und nicht später!“ – Zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge im Pflegeheim

8. August 2012 | von  | 2 Kommentare

„Selbstbestimmung fängt schon damit an, selbst zu entscheiden, wann ich aufstehe und was ich anziehe.“ Angelika Feichtner

Was tun wenn ein demenzkranker und außerdem leicht gehbehinderter Bewohner eines Pflegeheims „sich einbildet“, jetzt sofort alleine in die Stadt fahren zu wollen?

Mit Trenchcoat und Stock bereit für neue Abenteuer

Den Trenchcoat angezogen, den Stock in der Hand hält den Mann nichts davon ab, jetzt sofort alleine in die Stadt zu fahren, um eine Uhr einzukaufen. Auch nicht gutes Zureden, dass ihn später eine ehrenamtliche Mitarbeiterin begleiten könnte, kann ihn davon überzeugen, später zu gehen. Im Gegenteil. Der Mann wird wütend, dass man ihn nicht gehen lassen will.

Angelika Feichtner, Hospizpionierin in Tirol, war bis Ende 2011 Pflegedienstleiterin im Sozialen Kompetenzzentrum Rum. Sie hat die oben beschriebene Situation, die beispielhaft für unzählige Selbstbestimmungswünsche und -konflikte im Alters- oder Pflegeheim steht, selbst miterlebt.

Ein Pflegeheim ist keine geschlossene Anstalt

„Dieser Mann stand nicht unter Sachwalterschaft, das heißt, er kann frei über sich entscheiden und wir, also das Pflegeheim, sind keine geschlossene Anstalt“, erzählt Angelika Feichtner. „Für mich war klar, dass wir diesen Mann gehen lassen müssen und ihn gar nicht festhalten dürfen. Was wir zu seiner und auch unserer Sicherheit getan haben war, dass wir ihm in alle seine Taschen Visitenkarten von unserem Heim gesteckt haben.“

Nach drei Stunden kam ein Anruf einer Frau, die wissen wollte, was sie mit dem „leicht verwirrten Herrn“ tun sollte. Ein Taxi wurde gerufen und der Mann kam am frühen Abend erhobenen Hauptes und als stolzer Besitzer einer neuen Uhr wieder gut im Heim an.

70 Pflegebedürftige auf zwei Pflegkräfte

Der streng geregelte Tagesablauf eines Alten- oder Pflegeheims, zu wenig Pflege- und Betreuungspersonal und starre Strukturen machen es vor allem pflegebedürftigen BewohnerInnen extrem schwer, im Heim einigermaßen selbstbestimmt leben zu können.

„Dabei mangelt es von Seiten des Personals absolut nicht an der Bereitschaft, auf die Bedürfnisse der BewohnerInnen einzugehen. Wie sollen aber zwei Pflegekräfte während der Nacht 70 BewohnerInnen individuell gerecht werden?“, fragt sich Angelika Feichtner. Dennoch ist sie davon überzeugt, dass es auch in der Enge eines Pflegeheims möglich ist, dem Menschen ein gewisses Maß an Selbstbestimmung einzuräumen.

Wenn der Knopf im falschen Knopfloch landet

„Nur selten sind es die großen, existenziellen Fragen. Im Heimalltag geht es doch oft darum, wann stehe ich auf, was will ich essen, was ziehe ich an und darf es sein, dass meine Bluse ‚falsch’ zugeknöpft ist?“ Für Angelika Feichtner ist vieles eine Frage der Haltung gegenüber dem alten Menschen in unserer Gesellschaft.

Wie viel gestehe ICH ihm an Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zu?

Halte ICH es aus, dass die Mutter sich die Bluse noch selber zuknöpfen will, dafür aber der Knopf im falschen Knopfl och landet?

Für Angelika Feichtner geht es im Alltag darum, wie viel Würde, Respekt und Selbstbestimmung ich einem Menschen geben kann, wenn ich ihm diese „kleinen“ Eigenheiten lasse und nicht nehme.

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