Engel des Tanzes

15. Dezember 2020 | von

Weißt du, welche Sprache ich noch schnell lernen muss? Engel-isch. Engel-isch ist nämlich die Sprache der Engel“ sagt Maria-Sophie. 4 Jahre ist sie alt und an Krebs erkrankt. Mehr weiß ich nicht vor ihr.

Maria-Sophies Aussage las ich kürzlich in einem Kinderbuch. Ihre Wortkreation „Engel-isch“ fand ich auf Anhieb originell. Sie weckte in mir Neugier. Warum will die an Krebs erkrankte Maria-Sophie ausgerechnet „Engel-isch“, „die „Sprache der Engel“ lernen? Was steckt dahinter?

Vielleicht wird für sie ihr Körper zunehmend schwerer, eine Last, eine Belastung. Vielleicht sehnt sie sich diese Last des Körpers endlich abzuwerfen zu können, ihn loszuwerden, abzustreifen, freier, leichter, federleicht zu werden oder sogar zu tanzen, zu fliegen. Vielleicht ahnt sie, was auf sie zukommen wird und dass es gut sein könnte, diese neue Sprache, die „dort“ gesprochen wird, letztlich das „Engel sein“ zu lernen.

Wie auch immer. Engel haben viele Eigenschaften. Tanzen zu können gehört für mich zweifelsohne dazu. In diese Richtung lenkt mich nämlich Augustinus Aurelius (354-430 n.C), Bischof der untergangenen Stadt Hippo, im heutigen Algerien. In einem ihm zugeschriebenen Gedicht heißt es: „O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“

„Engel-isch“ lernen kann demnach heißen, dass wir Menschen unter anderem auch unbedingt tanzen lernen sollten, schon jetzt und erst recht für den Himmel. Wer tanzt, ist beweglich, nicht allzu streng, mit leichtem Körper, leichtfüßig unterwegs. Wer tanzt, lebt ganz im Augenblick, hört auf die Musik und folgt dem Rhythmus. „Ich lobe den Tanz, denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge, bindet den Vereinzelten zu Gemeinschaft“, so Augustinus.

Der Engel des Tanzes helfe dir, leichtfüßig, beweglich zu leben. Er befreie dich von den Lasten des Lebens und lehre dich die „Sprache der Engel“, „engel-isch“. Er ermutige dich, nicht wie ein „Schachspiel, wo alles kalkuliert ist“ unterwegs zu sein, sondern vertrauensvoll wie ein Ball, wie ein Tanz in der universellen Musik der Liebe.

Eine Anregung für den Tag:

Halte inne und höre ein paar Takte deiner Lieblingsmusik. Frage dich, was du von den Engeln lernen möchtest. Überlege: Aus welcher Enge, aus welcher Not möchte ich, dass ich selbst, unsere Welt tanzt?

Adventimpuls 15.12.2020

Christian Sint

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