Die Betreuung in der Coronazeit – ein Balanceakt, eine Gratwanderung

18. November 2020 | von

Corona ist zur Zeit in aller Munde. Es gibt wenige Themen, die so viel Aufmerksamkeit erzielen wie Corona. Es ist ein Thema, das uns alle betrifft, beeinflusst es doch massiv unser tägliches Leben, unser Verhalten, unsere Gewohnheiten und unseren Umgang miteinander.

Wir werden bombardiert mit Statistiken und mit Fallzahlen, die täglichen Neuinfektionen schnellen in die Höhe, verbunden damit ist auch die Anzahl der Patienten, die einer stationären Aufnahme bedürfen. So füllen sich die Covidbetten in den Krankenhäusern und auch die Betten auf den Intensivstationen. Dem leichten Lockdown, der leider nicht die erhoffte Reduktion der Zahlen brachte, folgt nun der harte Lockdown mit all seinen Einschränkungen – auch vor der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft macht das Corona-Thema nicht Halt.

Wie sehen wir im Hospizhaus nun die Situation? Hospizium ist ein lateinisches Wort und bedeutet Herberge. Wir sehen es als unsere Aufgabe ein Rastplatz, für schwerkranke und sterbende Patient*innen und ihren Angehörigen anzubieten. Unser Ziel ist es, die bestmögliche Lebensqualität für unsere Patient*innen zu erreichen.

Dieses Ziel mit den nötigen Coronarichtlinien zu vereinen, stellt uns vor eine große Herausforderung. Palliativpatient*innen zählen zu den Hochrisikopersonen, die es zu schützen gilt. Doch sollen sie wirklich völlig abgeschirmt werden? Ist dies Lebensqualität: allein ohne jegliche Kontakte die letzten Tage und Wochen zu verbringen? Natürlich nicht!! So gilt es, Risiken einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und teilweise auch individuell abzuwägen. Es ist eine Gratwanderung, die uns jeden Tag aufs Neue fordert.

Natürlich müssen auch wir Zugangsbeschränkungen im Hospizhaus einführen, die an die jeweilige Coronadichte angepasst werden. Wichtig für uns ist jedoch, die individuelle Situation jedes einzelnen Patienten zu sehen, die Bedürfnisse zu beurteilen und Ausnahmeregelungen im Sinne und zum Wohl des Patienten und seiner Angehörigen zuzulassen. Niemand soll völlig allein ohne seine Lieben die letzten Tage verbringen müssen, auch der Abschied muss möglich sein.

Die allgemeingültigen Coronaschutzmaßnahmen müssen auch in der palliativen und hospizlichen Betreuung eingehalten werden. So sind Abstandhalten, Mundschutz, Hände waschen und desinfizieren an der Tagesordnung. Diese Maßnahmen verändern die gewohnte Kommunikation, bei der die Berührung eine große Rolle spielt. Dennoch ist dieser Kompromiss zum Schutz der Patient*innen, Angehörigen und Betreuer von Bedeutung. Umso wichtiger ist es, das Augenmerk auf andere Kommunikationsmöglichkeiten zu legen. Sich verständigen geschieht über verschiedene Wege. Ein Lächeln ist auch hinter dem Mundnasenschutz über die Augen sicht- und spürbar. Augenkontakt und eine sanfte Stimme beruhigen. Außerdem kann über Gesten, wie z.B. Winken und über Augenbewegungen Kontakt aufgenommen werden. Selbst über Mimik, Körperhaltung und sogar über die Position, die wir im Raum einnehmen, kommunizieren wir. Der Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auch hier muss es individuelle Ausnahmeregelungen geben, die unter bestimmten Bedingungen und Maßnahmen ein Mindestmaß an Berührungen möglich machen.

Die Trauer erweist sich unter den gegebenen Umständen oft als sehr schwierig, da gewohnte Rituale wie Gedenkgottesdienste, Begräbnisse, die uns in der Situation hilfreich sind, in dieser Form nicht stattfinden können. In der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft bieten wir Einzel-Trauergespräche mit geschulten Mitarbeiter*innen an, die ganz individuell auf die Bedürfnisse der Trauernden eingehen können.

Uns ist es wichtig für unsere Patient*innen und ihren Angehörigen in dieser besonderen Situation mit viel Elan, Empathie, Flexibilität und voller Ideen zur Seite zu stehen.

„Eine gute Infrastruktur ist Lebensqualität“ behauptete Anette Karl, eine Mathematikerin, und Politikerin. Genau das ist es, was wir versuchen unseren Patient*innen und Angehörigen zu bieten.

Dr. Andrea Knoflach-Gabis, Ärztliche Direktorin

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