Sterben. Ganz normal?

3. Oktober 2017 | von

Sterben. Ganz normal?

„Als Kind bin ich neben unserem verstorbenen Opa im Bett gelegen und habe lange seinen Bart gekrault.“ Susi Riml, Hospizgruppenleiterin im Ötztal

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„Aus meiner jetzigen Erfahrung waren das Sterben und der Tod meines Großvaters ganz normal. Meine Familie ist damit natürlich umgegangen – und unaufgeregter, als es heute oft der Fall ist. Mein Opa war ein richtiger Alm-Öhi, ein bärtiger Mann, der seinem Alter entsprechend kränklich war. Er lag in den Wochen vor seinem Tod in der Stube in seinem alten Holzbett und wurde mit jedem Tag ein bisschen weniger. Eines Tages ist er dann gestorben. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass wir Kinder neben unserem verstorbenen Opa im Bett gelegen sind und lange seinen Bart gekrault haben. Das war überhaupt nicht schlimm für uns. Im Gegenteil, es war ganz normal.“ Für Susi Riml ist diese Erfahrung wohl mit ein Grund dafür, dass sie neben ihrem Beruf als Krankenschwester vor 13 Jahren die Hospizgruppe Ötztal gegründet hat. Seitdem leitet sie die Gruppe von sieben Frauen und zwei Männern mit großer Leidenschaft.

Sterbenden nahe sein

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Ihr Bild von einer optimalen ehrenamtlichen Hospiz-begleitung ist geprägt vom Sterben ihres Großvaters. Daher sieht sie sich und ihre „HospizlerInnen“ eher im Hintergrund, als Rückenstärkung für die Angehörigen, und nicht in der ersten Reihe. „Ich hadere immer wieder damit“, meint Susi Riml auch aus ihrer Erfahrung als Krankenschwester, „wie lange heute auch ein sehr alter Mensch nicht sterben darf. Mir kommt vor, viele wollen heute der Tatsache nicht ins Auge sehen, dass das Leben, übrigens auch das eigene, einmal zu Ende geht.“

Ihr geht es vor allem darum, Angehörige zu ermutigen, das Sterben und den Tod zuzulassen, sich darauf einzulassen, um dem Sterbenden, wenn er oder sie es möchte, in seiner letzten Zeit nahe zu sein.

Wenn Abstand beim Sterben hilft

Eine Hospizbegleitung vor einigen Jahren zeigte ihr aber, dass vieles nicht planbar, nicht machbar ist. „Der Anruf kam sehr spät. Beim Erstgespräch wurde mir schnell klar, dass der Mann, zu dem wir gerufen wurden, nicht mehr lange leben wird. Seine Frau und seine Tochter waren sehr belastet, weil sie Tag und Nacht bei ihm waren. Während unseres Besuchs am nächsten Tag ging die Tochter für eine Viertelstunde zum Einkaufen. Ihr Vater starb, während sie weg war, in unserer Anwesenheit. Sie hätte sich so sehr gewünscht, bei ihm sein zu können, wenn er geht.“

Für Susi Riml und ihre Kollegin Karin Klotz war es eine belastende Situation, dass „wir als quasi Fremde beim Sterben ihres Vaters dabei waren“. Auf dem Heimweg blieb sie noch lange alleine in ihrem Auto sitzen und fragte sich, warum es so gekommen war. „Vielleicht“, meint sie nachdenklich, „fällt es manchen Menschen leichter zu gehen, wenn ihre Liebsten ein Stück weiter weg sind.“

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