Wenn das Leben ganz Augenblick wird

10. Juni 2012 | von

„Ich sehe mich als Hüterin dieser letzten Lebensräume und Freiheiten.“ Elisabeth Zanon, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Meine Vorgängerin Marina Baldauf, eine der Pionierinnen der Tiroler Hospizbewegung, hat es mir möglich gemacht in diese Gemeinschaft während des letzten halben Jahres 2011 Schritt für Schritt hinein zu finden. Was ich während dieser Zeit erleben durfte, hat mich tief beeindruckt und von der Notwendigkeit einer derartigen Bewegung überzeugt.

Noch aus meiner Zeit als Klinikärztin weiß ich, dass die Zeit des Abschiednehmens für die Betroffenen wie für die Angehörigen eine Phase höchster seelischer und geistiger Intensität und Anspannung ist. Als ehrenamtliche Vorsitzende durfte ich jetzt auf der Hospiz- und Palliativstation in Innsbruck erleben, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Menschen in ihrer letzen Lebensphase Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit und Menschlichkeit gepaart mit hoher Professionalität und tiefer Herzlichkeit geben. In so einer Atmosphäre kann das Sich-Einlassen auf das Hier und Jetzt möglich werden, und es gelingt, den schönen Augenblick zum Verweilen einzuladen.

Wenn das Leben ganz Augenblick wird, schwindet alles traurige Vergleichen…

Die Bedürfnisse, Hoffnungen und Erwartungen eines jeden Menschen sind im Leben wie auch im Sterben immer einzigartig und individuell. Dieser Individualität eines Lebens im Ableben gilt es, ausreichend Raum und Zeit zu geben.

Es ist meine Sorge, dass das durchaus gut gemeinte und auch teilweise notwendige Bestreben nach messbaren Standards, Qualitätskriterien und den daraus folgenden Regulierungen diese Freiräume einengt und beschneidet. Im Namen der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft sehe ich mich als Hüterin dieser letzten Lebensräume und Freiheiten eines sterbenden Menschen.

Elisabeth Zanon, Vorsitzende Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

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