Der „Runde Tisch“ als Instrument in der Palliativbetreuung

27. Mai 2011 | von

Wenn eine schwere Krankheit immer weiter fortschreitet, müssen Entscheidungen getroffen werden: Was ist für den Patienten bzw. die Patientin jetzt sinnvoll und wichtig, was sollte getan, was unterlassen werden? „Diese Entscheidungen dürfen wir nicht den Schwerkranken überlassen“, hielt Dr. Steffen Eychmüller fest, als er beim Palliativforum am 12. Mai 2011 über den „Runden Tisch“ als Instrument in der Palliativbetreuung referierte. Der Leiter des Palliativzentrums St. Gallen in der Schweiz hat sehr viel Erfahrung mit dieser Methode. Der „Runde Tisch“ ist ein Gespräch, in der Regel im Krankenhaus, in dem alle Beteiligten – von der kranken Person über die Angehörigen bis zu den verschiedenen betreuenden Berufsgruppen – zusammenkommen. Ziel ist u.a., dass alle gut informiert sind und dass die Bedürfnisse des Patienten bzw. der Patientin im Mittelpunkt stehen.

PatientIn lädt ein

„Wir besprechen vorher mit dem Patienten, wer zu diesem Gespräch kommt und was in dieser Runde besprochen werden soll – und was nicht besprochen werden soll. Der Patient lädt ein und er weiß selbst am besten Bescheid, davon gehen wir aus. Er darf mit dem Gespräch nicht überfordert werden“, erklärte Steffen Eychmüller.

Als Indikationen für die Einberufung eines „Runden Tisches“ nannte Eychmüller erstens Notfälle und Krisen, zweitens die Notwendigkeit von Information, Zielsetzung und Priorisierung und drittens die Austrittsplanung mit Besprechung der Aufgabenteilung. Neben vielen anderen Dingen, die zu beachten und zu berücksichtigen sind, betonte er, dass der Hausarzt bzw. die Hausärztin in Entscheidungen mit einbezogen werden sollte: „Aus der Spitalsperspektive kann es leicht passieren, dass man das vergisst. Häufig entscheiden diejenigen, die den Betroffenen am kürzesten und am wenigsten kennen, nämlich die Betreuenden im Krankenhaus.“

Dr. Steffen Eychmüller: „Durch ein Gespräch am ‚Runden Tisch’ können Erwartungen realistischer werden.“

Es sei für alle Beteiligten gut, Erwartungen auszusprechen und zu überprüfen, ob sie realistisch sind. „Zwischen Ist und Soll wird viel gelitten“, sagte Steffen Eychmüller und plädierte dafür, „auch die kleinen Erfolge zu feiern.“

Qualität des Sterbens verbessern

Im Kantonsspital St. Gallen gehört der „Runde Tisch“ zu den täglichen Aufgaben der MitarbeiterInnen des Palliativzentrums, in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stationen. Es habe sich bewährt, dafür einen fixen Zeitpunkt jeden Tag zu reservieren, der bei allen Berufsgruppen im Kalender steht, berichtete Steffen Eychmüller. Die Einberufung eines „Runden Tisches“ werde damit selbstverständlicher, man würde den scheinbaren Aufwand weniger scheuen. „Scheinbar“ deswegen, weil der runde Tisch ein Instrument ist, das – richtig eingesetzt und gut geleitet – Kosten senken kann. „Etwa 35% Kosten können durch solche Gespräche eingespart werden“, berichtete Steffen Eychmüller, unter anderem deshalb, weil sinnlose Behandlungen eingestellt werden und die Betreuung besser koordiniert werden kann. „Es ist erwiesen: Je höher die Kosten, desto schlechter die Qualität des Sterbens. Das sind Good News“, befand der Palliativmediziner, denn wenn Maßnahmen, die die Qualität erhöhen, auch die Kosten senken, sollte es eigentlich leichter sein, diese in die Systeme zu implementieren.

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