„Sich den wichtigen Fragen rechtzeitig stellen“ – Palliative Care im Altersheim

16. Dezember 2010 | von

Die TeilnehmerInnen des ersten Praxislehrganges Palliative Care (Klaus Rainer ganz rechts)

„Immer öfter spürte ich als Pflegedienstleiter im Altersheim, dass ich in einer gewissen Spannung stand. Einerseits wollte ich unsere BewohnerInnen aktivieren, sie gesund und einigermaßen fit halten, andererseits war es mir immer mehr Bedürfnis, sie auch gut sterben zu lassen“, erzählt Klaus Rainer, Pflegedienstleiter im Altenwohn- und Pflegeheim Zell am Ziller.

Um mit dieser Spannung besser umgehen zu können, besuchte er im vergangenen Jahr den ersten Praxislehrgang für Palliative Care in Schwaz, organisiert von der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und dem Bezirkskrankenhaus Schwaz.

Dem Sterben Raum schaffen

Die intensive Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer und der Austausch mit anderen ermutigten ihn, sich auf die HeimbewohneInnen und ihre Angehörigen viel mehr einzulassen. „Oft schiebt man ja Fragen rund um den Tod und das Sterben vor sich her. Um dem Sterben im Altersheim aber den notwendigen Raum zu verschaffen, ist es wichtig, bestimmte Dinge rechtzeitig anzusprechen. Nicht erst wenn der Notarzt da ist.“

So ist Klaus Rainer jetzt viel hellhöriger, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner sagt, dass sie oder er nicht mehr ins Krankenhaus möchte. „Das sind gute Gelegenheiten, mit diesem Menschen und auch mit den Angehörigen darüber zu sprechen, was getan oder nicht getan werden soll, wenn es dem Ende zu geht“, erzählt der Pflegedienstleiter. Damit das gesamte Personal im Heim darüber informiert ist, werden solche Gespräche schriftlich aufgezeichnet. „Das ist eine große Hilfe und Entlastung für die MitarbeiterInnen.“

Chance für bessere Zusammenarbeit

Neben den internen Veränderungen im Heim bewirkte der Lehrgang auch, dass sich die HeimmitarbeiterInnen mit den ÄrztInnen und SprengelmitarbeiterInnen besser austauschen und vernetzen. „So ein Lehrgang ist immer eine Chance informelle Kontakte zu knüpfen – und das wirkt sich auf die Qualität der Arbeit positiv aus.“

Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft hat auf Anregung von Klaus Rainer gemeinsam mit dem Altenwohn- und Pflegeheim Zell am Ziller und dem Franziskusheim Fügen einen weiteren Lehrgang für Palliative Care in der Region und für die Region organisiert. Im Herbst hat dieser 40 stündige Lehrgang mit 21 TeilnehmerInnen stattgefunden und ist mittlerweile abgeschlossen.

Sollten Sie Interesse an einem solchen Lehrgang für Ihre Institution oder Region haben, melden Sie sich im Bildungsreferat der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, Telefon: 05 – 76 77-411, sonja.prieth@hospiz-tirol.at

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