Der Tod hält sich nicht an Öffnungszeiten - Dr. Elisabeth Zanon neue Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

"Die Hospizbewegung ist ein Segen für unsere Gesellschaft", meint die neue Hospizvorsitzende Elisabeth Zanon.
Marina Baldauf, Dr. Elisabeth Zanon(v.l.n.r.)
Nicht wegschauen, wenn es nicht mehr schön ist
Nach 20 Jahren Mitarbeit im Vorstand der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und 10 Jahren als Vorsitzende verabschiedete sich heute Marina Baldauf von der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und übergab ihr Amt an ihre Nachfolgerin Elisabeth Zanon. "Aber Hospiz ist ja eine Lebenshaltung, die ich nie mehr abgeben werde. Es ist eine Haltung der Hingabe, der Fürsorge und des Respekts vor allem, was das Sterben mit sich bringt. Das bedeutet auch, dass man nicht wegschauen kann, wenn es nicht mehr schön ist."
Dankbarkeit und Betroffenheit
"Ich bin gesund und es geht mir gut. Aus dieser Dankbarkeit heraus habe ich die Verantwortung etwas von meinem Glück an die Gesellschaft zurück zu geben, " meint Elisabeth Zanon, die neue Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Als ihr eigener Bruder starb erkannte sie wie wichtig in dieser Situation Hilfe von außen für sterbende Menschen und ihre Angehörigen ist. Auch als Ärztin war sie sehr oft mit dem Tod und sterbenden Menschen konfrontiert und hat viel Not und Leid in den letzten Tagen gesehen. "Daher weiß ich, was für ein Segen die Hospizbewegung für die Gesellschaft ist." Denn die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Hospiz-Gemeinschaft wissen ganz konkret, was für sterbende Menschen und ihre Angehörigen getan werden muss und kann.
Gerechte Hospizversorgung in ganz Tirol
Die große finanzielle und ideelle Unterstützung durch die Bevölkerung sieht sie als ganz konkreten Auftrag, dafür zu sorgen, dass es in ganz Tirol eine gerechte Hospizversorgung geben muss.
Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft hat außerdem den Auftrag, der sensibelste Seismograph, für ein Leben und Sterben in Würde zu sein. "Und wir müssen ganz genau hinschauen, wo es Versuche gibt, das Sterben zu standardisieren, oder zu institutionalisieren. Denn der sterbende Mensch darf und kann nicht in ein Behandlungs- und Abrechnungsschema gepresst werden. Wenn ein sterbender Mensch nicht um 6.30 frühstücken will, sondern erst um 9.00 oder um 10.00 dann muss das doch möglich sein. Denn der Tod hält sich nicht an Öffnungszeiten."

